Die
New York Times deckt auf, wie tief USA und NATO in den Krieg gegen
Russland verwickelt sind – Teil 2
VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 4.
APRIL 2025 ⋅ HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR
von Thomas
Röper – https://anti-spiegel.ru
Die New York Times hat am
29. März einen Artikel veröffentlicht, der aufzeigt, wie tief die
USA und die NATO in den Krieg gegen Russland verwickelt waren. Der
sehr lange Artikel bestätigt alles, was bisher als „russische
Propaganda“ bezeichnet wurde. Hier übersetze ich einen weiteren
Teil des Artikels.
Der Artikel, den die New York Times am 29.
März veröffentlicht hat, ist so heikel, dass deutsche Medien wie
der Spiegel ihn ihren Lesern tagelang verschweigen haben. Die New
York Times hat in einem Artikel, der kopiert in ein Word-Dokument 26
Seiten A-4 lang ist, im Detail aufgezeigt, wie die USA,
Großbritannien und die NATO generell in der Ukraine Krieg gegen
Russland geführt haben und offenbar immer noch führen.
Die
Staaten des Westen haben die Ukraine mit detaillierten Informationen
in Echtzeit versorgt und die Ziele für ukrainische Artillerie- und
Raketenangriffe auf russische Truppen und sogar auf Ziele in Russland
selbst festgelegt. Nach der Lektüre des Artikels kann niemand mehr
bestreiten, dass die USA, Großbritannien und im Grund die NATO
selbst in der Ukraine Krieg gegen Russland führen.
All das,
was die New York Times berichtet, ist für Leser des Anti-Spiegel
nicht wirklich neu, denn hier habe ich oft erklärt, warum die
Staaten des Westens längst Kriegsparteien im Krieg gegen Russland
sind und dass die Ukraine Langstreckenangriffe nach Russland –
nicht nur mit westlichen Waffen, sondern auch mit eigenen Drohnen –
gar nicht selbst durchführen kann, weil sie die nötigen
Aufklärungsdaten nicht hat und die Flugpläne, die die russische
Luftabwehr möglichst umgehen sollen, gar nicht programmieren
kann.
Auch wenn das an sich nichts Neues ist, sind die vielen
Details, über die die New York Times berichtet, sehr interessant.
Der Inhalt des Artikels ist so brisant, dass deutsche Medien wie der
Spiegel nicht wussten, wie sie damit umgehen sollen. Der Spiegel
beispielsweise brauchte ganze zweieinhalb Tage, bis er über den
Artikel endlich berichtet hat, allerdings ohne seine Leser über die
Brisanz der Enthüllungen zu informieren.
Da der Artikel
extrem lang ist, habe ich beschlossen, ihn in mehreren Teilen zu
veröffentlichen. Weil der Artikel selbst in mehrere Teile gegliedert
ist, habe ich diese Gliederung übernommen. Vorestern habe ich die
Eileitung übersetzt, gestern den ersten Teil des Artikels, in dem
bestätigt wird, dass die US-Armee mit Genehmigung der
Biden-Regierung alle „ukrainischen“ Angriffe mit HIMARS-Raketen
kontrolliert hat, heute veröffentliche ich Teil 2, in dem es um die
Zeit bis Herbst 2022 geht. Morgen werde ich einen weiteren Teil
veröffentlichen.
Beginn der Übersetzung:
Die
Partnerschaft: Die unbekannte Geschichte des Krieges in der
Ukraine
Dies ist die bisher nicht erzählte Geschichte der
klandestinen Rolle der USA bei ukrainischen Militäroperationen gegen
die russischen Truppen. Der Autor Adam Entous führte mehr als ein
Jahr lang über 300 Interviews mit Vertretern aus Regierungen,
Militär und Geheimdiensten in der Ukraine, den USA, Großbritannien,
Deutschland, Polen, Belgien, Lettland, Litauen, Estland und der
Türkei.
Teil 2 – Juni bis November 2022 „Nachdem ihr
Russland besiegt habt, werden wir euch endgültig blau
machen“
Frontverlauf im November 2022 – rot:
russische Geländegewinne | rosa: von Russland gehalten | hellblau:
von der Ukraine zurückerobert
Bei ihrem ersten Treffen zeigte
General Donahue dem ukrainischen Generalleutnant Sabrodsky eine
farbcodierte Karte der Konfliktregion. Darauf waren das Gebiet der
US- und NATO-Truppen in Blau, das der russischen Truppen in Rot und
das der ukrainischen Truppen in Grün markiert. „Warum sind wir
grün?“, fragte Sabrodsky. „Wir sollten blau sein.“
Später,
Anfang Juni, als sie sich trafen, um die ukrainische Gegenoffensive
durchzuspielen, saßen sie erneut nebeneinander, diesmal vor einer
Karte des Schlachtfelds. Generalleutnant Sabrodsky bemerkte, dass die
kleinen Quadrate, mit denen die ukrainischen Positionen markiert
waren, inzwischen die Farbe Blau trugen – ein symbolischer Akt zur
Unterstreichung der gemeinsamen Ziele. „Wenn ihr Russland besiegt
habt“, sagte General Donahue an die Ukrainer gerichtet, „werden
wir euch endgültig blau machen.“
Drei Monate waren seit der
russischen Invasion vergangen, und die Karten erzählten die
Geschichte des Krieges:
Im Süden hatten die Ukrainer den
russischen Vormarsch bei Nikolajew am Schwarzen Meer gestoppt. Doch
die Russen kontrollierten Cherson und ein etwa 25.000 Soldaten
starkes Korps besetzte das Gebiet am Westufer des Dnjepr. Im Osten
waren die Russen zwar bei Isjum gestoppt worden, doch hielten sie das
Gebiet bis an die Grenze zu Russland, einschließlich des strategisch
wichtigen Oskil-Flusstals.
Die russische Strategie hatte sich
von einer Enthauptung – dem erfolglosen Angriff auf Kiew – zu
einer langsamen Erstickung entwickelt. Die Ukrainer mussten daher in
die Offensive gehen. Ihr oberster Befehlshaber General Saluschny
favorisierte gemeinsam mit den Briten die ehrgeizigste Option: aus
dem Gebiet um Saporoschje im Südosten in Richtung des besetzten
Melitopol. Dieser Vorstoß, so waren sie überzeugt, würde die
russischen Nachschubwege über Land unterbrechen, mit denen die
Truppen auf der Krim versorgt wurden.
Theoretisch stimmte
General Donahue dem zu. Doch laut Kollegen hielt er das Ziel
Melitopol angesichts des Zustands des ukrainischen Militärs und der
begrenzten Fähigkeit der Koalition, M777-Haubitzen bereitzustellen,
für nicht realisierbar, ohne die US-amerikanische
Einsatzbereitschaft erheblich zu schwächen. Um seinen Standpunkt in
den Gefechtssimulationen zu untermauern, übernahm er die Rolle des
russischen Befehlshabers. Jedes Mal, wenn die Ukrainer vorrückten,
vernichtete General Donahue sie mit überwältigender
Kampfkraft.
Letztendlich einigte man sich auf eine
zweigleisige Offensive, um die russischen Befehlshaber zu verwirren.
Laut US-Geheimdienstberichten glaubten diese, die Ukrainer hätten
nur genügend Soldaten und Ausrüstung für einen einzigen offensiven
Vorstoß. Der Hauptangriff sollte auf die Rückeroberung von Cherson
und die Sicherung des Westufers des Dnjepr abzielen, andernfalls
könnte das russische Korps auf den Hafen von Odessa vorrücken und
sich für einen erneuten Angriff auf Kiew positionieren.
General
Donahue hatte für eine gleichwertige zweite Front im Osten plädiert,
aus der Region Charkow heraus, um das Oskil-Flusstal zu erreichen.
Die Ukrainer hingegen plädierten für eine kleinere Ablenkung, um
russische Truppen in den Osten zu ziehen und damit die Offensive auf
Cherson zu erleichtern. Dieser Täuschungsangriff sollte als erstes
erfolgen, um den 4. September herum. Anschließend sollten die
Ukrainer zwei Wochen lang Artillerieangriffe durchführen, um die
russischen Kräfte im Süden zu schwächen. Erst dann, um den 18.
September herum, sollten sie in Richtung Cherson marschieren.
Und
falls noch genügend Munition vorhanden sein würde, sollten sie den
Dnjepr überqueren. Generalleutnant Sabrodsky erinnerte sich an die
Worte von General Donahue: „Wenn ihr über den Fluss wollt, um zur
Landenge der Krim zu gelangen, dann haltet euch an den Plan.“
Das
war der Plan – bis er es nicht mehr war.
Selensky sprach
manchmal direkt mit seinen regionalen Kommandeuren und nach einem
solchen Gespräch erfuhren die US-Amerikaner, dass sich die
Einsatzplanung geändert hatte. Cherson sollte schneller – und
zuerst, am 29. August – angegriffen werden.
General Donahue
machte General Saluschny darauf aufmerksam, dass mehr Zeit nötig
sei, um die Voraussetzungen für einen Angriff auf Cherson zu
schaffen. Diese unerwartete Planänderung, so warnte er, bringe die
Gegenoffensive und das gesamte Land in Gefahr. Später erfuhren die
US-Amerikaner den Hintergrund für diese Anweisung:
Selensky
hoffte, Mitte September an der Sitzung der UN-Generalversammlung
teilnehmen zu können. Ein militärischer Fortschritt auf dem
Schlachtfeld, so glaubten er und seine Berater, würde sein Argument
für weitere militärische Unterstützung der Ukraine stärken. Also
krempelten Selensky und sein Stab den ursprünglichen Plan in letzter
Minute um – ein erster Vorgeschmack auf eine fundamentale
Diskrepanz, die den Kriegsverlauf zunehmend prägen sollte.
Das
Ergebnis war nicht das, was geplant war. Die Russen reagierten, indem
sie Verstärkungen aus dem Osten nach Cherson verlegten. Nun erkannte
auch General Saluschny, dass die geschwächten russischen Truppen im
Osten den Ukrainern möglicherweise genau das ermöglichen würden,
was General Donahue vorgeschlagen hatte – das Oskil-Flusstal zu
erreichen. „Macht, macht, macht – ihr habt sie am Boden!“,
drängte General Donahue den ukrainischen Befehlshaber, wie sich ein
europäischer Offizieller erinnerte.
Die russischen Truppen
brachen schneller zusammen als erwartet und ließen auf ihrer Flucht
große Teile ihrer Ausrüstung zurück. Die ukrainische Führung
hatte niemals damit gerechnet, dass ihre Truppen das Westufer des
Oskil Fluss erreichen würden. Als es dennoch eintrat, stieg das
Ansehen von Generaloberst Syrsky beim Präsidenten erheblich. Im
Süden berichtete der US-Geheimdienst nun, dass es dem russischen
Korps am Westufer des Dnjepr an Nahrung und Munition mangelte.
Die
Ukrainer zögerten. General Donahue drängte den Feldkommandeur,
Generalmajor Andrej Kowaltschuk, weiter vorzurücken. Doch ohne
Erfolg. Bald schalteten sich die Vorgesetzten von Donahue ein, die
Generäle Cavoli und Milley, und wandten sich direkt an General
Saluschny – ebenfalls ohne Ergebnis. Der damalige britische
Verteidigungsminister Ben Wallace fragte General Donahue schließlich,
was er tun würde, wenn General Kowaltschuk sein Untergebener
wäre.
„Er wäre längst entlassen worden“, antwortete
General Donahue lapidar. „Ich kümmere mich darum“, erwiderte
Wallace. Die britischen Streitkräfte hatten in Kiew erheblichen
Einfluss; anders als die US-Amerikaner hatten sie nach der Invasion
kleinere Offizierskontingente in die Ukraine entsandt. Nun machte der
Verteidigungsminister von diesem Einfluss Gebrauch und forderte, den
ukrainischen Kommandeur abzusetzen.
Für Wladimir Putin war
wahrscheinlich kein Flecken ukrainischen Bodens wertvoller als die
Krim. Während die Ukrainer zögernd am Dnjepr vorrückten, in der
Hoffnung, den Fluss zu überqueren und in Richtung der Halbinsel
vorzustoßen, entstand das, was ein Beamter des Pentagon als die
„zentrale Spannung“ bezeichnete: Um dem russischen Präsidenten
einen triftigen Grund für Verhandlungen zu geben, hätten die
Ukrainer Druck auf die Krim ausüben müssen, erklärte der Beamte.
Doch genau das hätte Putin dazu bringen können, „etwas
Verzweifeltes“ in Betracht zu ziehen.
Die Ukrainer
ihrerseits begannen bereits mit Bodenoffensiven, um diesen Druck
aufzubauen. Zudem hatte das Weiße Haus genehmigt, dass man die
Ukrainer bei der Entwicklung, der Herstellung und dem Einsatz von
Marinedrohnen zur Attacke auf die russische Schwarzmeerflotte
unterstützen würde. Die USA hatten ihnen einen Prototyp einer
Wasserdrohne überlassen, der ursprünglich für die Abwehr eines
chinesischen Angriffs auf Taiwan entwickelt worden war. Zunächst
durfte die US-Marine den Ukrainern relevante Standorte russischer
Kriegsschiffe außerhalb der Hoheitsgewässer der Krim übermitteln.
Im Oktober begann die CIA dann heimlich die ukrainischen
Drohnenangriffe auf den Hafen von Sewastopol logistisch zu
unterstützen.
Im selben Monat fing der US-Geheimdienst ein
Gespräch des russischen Kommandeurs für die Ukraine, General Sergej
Surowikin, ab. Darin sprach er tatsächlich darüber, „etwas
Verzweifeltes“ zu tun: den Einsatz taktischer Atomwaffen, um die
Ukrainer daran zu hindern, den Dnjepr zu überqueren und direkt auf
die Krim vorzurücken.
Bis zu diesem Moment hatten
US-Geheimdienste die Wahrscheinlichkeit, dass Russland in der Ukraine
Atomwaffen einsetzen würde, auf fünf bis zehn Prozent geschätzt.
Nun jedoch erklärten sie, dass diese Wahrscheinlichkeit auf 50
Prozent steigen könnte, sollte die russische Front im Süden
zusammenbrechen.
Die befürchtete „zentrale Spannung“
schien sich ihrem Höhepunkt zu nähern. In Europa drängten die
Generäle Cavoli und Donahue den neuen ukrainischen Befehlshaber,
Brigadegeneral Alexander Tarnawsky, seine Brigaden voranzutreiben,
das russische Korps vom Westufer des Dnjepr zu vertreiben und dessen
Ausrüstung zu erbeuten. In Washington hingegen fragten sich die
ranghöchsten Berater von Präsident Joe Biden nervös das Gegenteil:
ob sie die Ukrainer möglicherweise dazu drängen müssten, ihr
Vorrücken zu verlangsamen.
Es hätte der beste Moment für
die Ukrainer sein können, um den Russen einen entscheidenden Schlag
zu versetzen. Es hätte aber auch der Moment sein können, in dem der
Krieg auf gefährliche Weise eskalieren konnte.
Letztlich kam
es in einer Art übergeordneter Unklarheit nie zu diesem finalen
Moment. Um ihre sich zurückziehenden Truppen zu schützen, ließen
die russischen Befehlshaber kleine Kontingente als Nachhut zurück.
General Donahue riet General Tarnawsky, diese entweder zu vernichten
oder zu umgehen und sich auf das Hauptziel – das russische Korps –
zu konzentrieren. Doch jedes Mal, wenn die Ukrainer auf eine solche
Nachhut stießen, hielten sie sich in der Annahme zurück, dass
dahinter eine größere feindliche Streitmacht in Stellung
lag.
General Donahue teilte General Tarnawsky mit, dass die
ukrainischen Truppen laut Satellitenbildern lediglich von ein oder
zwei russischen Panzern aufgehalten wurden. Doch weil der ukrainische
Befehlshaber diese Satellitenbilder nicht selber sehen konnte,
zögerte er und scheute sich, seine Truppen weiter vorrücken zu
lassen. Um die Ukrainer in Bewegung zu setzen, übermittelte die Task
Force Dragon genaue Zielkoordinaten, woraufhin die Besatzungen der
M777-Haubitzen die Panzer mit Geschossen vom Typ Excalibur zerstörten
– ein zeitraubender Vorgang, der sich jedes Mal wiederholte, wenn
die Ukrainer auf eine russische Nachhut trafen..
Dennoch
gelang es den Ukrainern Cherson zurückzuerobern und das Westufer des
Dnjepr zu säubern. Doch an dieser Stelle endete die Offensive.
Aufgrund von Munitionsmangel überquerten die Ukrainer den Fluss
nicht. Und sie rückten nicht – wie sie es gehofft und die Russen
befürchtet hatten – in Richtung Krim vor.
Während sich die
russischen Truppen über den Fluss zurückzogen, gruben sie mit
gewaltigen Maschinen tiefe und langgezogene Schützengräben in die
Erde. Dennoch war die Stimmung unter den Ukrainern von Triumph
geprägt. Bei seinem nächsten Besuch in Wiesbaden überreichte
Generalleutnant Sabrodsky seinem Kollegen Donahue ein „Souvenir“:
eine taktische Weste, die einem russischen Soldaten gehört hatte,
dessen Kameraden, sich bereits auf dem Marsch nach Osten befanden. In
Richtung dessen, was 2023 zum bisher härtesten Schlachtfeld des
Krieges werden sollte: in Richtung eines Orts namens Bachmut
(Artjomowsk).
Ende der Übersetzung
Morgen folgt Teil
3: Die am besten ausgelegten
Pläne
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