Montag, 4. April 2016

Diktatur der Freiheit beenden (siehe Linkezeitung)

Entnommen: http://linkezeitung.de/2016/04/01/diktatur-der-freiheit-mit-allen-mitteln-beenden /

Diktatur der Freiheit mit allen Mitteln beenden
VERÖFFENTLICHT VON EGESTER 1. APRIL 2016 ⋅EIN KOMMENTAR

Richard David Precht spricht in dem Video über die sogenannte: „Vierte industrielle Revolution“, die logischerweise nicht weniger folgenreich sein wird als die vorherigen. Viel zu wenig Menschen machen sich überhaupt Gedanken darüber, was uns in Zukunft erwartet. Insoweit ist der kleine Film eine absolute Sehenswürdigkeit, die man sich keineswegs entgehen lassen sollte, in Vorbereitung auf „bessere Zeiten“. In etwas mehr als 10 Minuten gelingt es dem Redner auf recht sachliche Weise dem Betrachter den Spiegel vorzuhalten.

Besonderes aufmerken sollte man bei den Ausführungen zur Interaktion der vierten industriellen Revolution und dem bislang hochgehaltenen Freiheitsgedanken sein. Die vermeintlich hinzugewonnene Freiheit, durch Automatisierung vieler Arbeitsprozesse, wird nach derzeitiger Konstitution unserer Gesellschaft wohl nur ein Segen für die Inhaber der Produktionsmittel werden. Unsere Gesellschaft ist bislang nicht darauf eingerichtet hier für eine soziale bzw. gerechte Umverteilung zu sorgen. Das wird absehbar mächtig Spannungen erzeugen, deren Behandlung wir heute noch sorgsam ausblenden statt überfälligerweise nach konstruktiven Lösungen dafür zu suchen.

Gerade weil diese Debatte nicht in Gang kommt, vermutlich auch gar nicht in Gang kommen soll, ergibt sich daraus die logische Konsequenz, dass die Freiheit nunmehr verschwinden muss! Das macht auch Sinn, weil die Freiheit ansonsten dazu missbraucht werden könnte, die zunehmende Umverteilung von unten nach oben sinnlos anzugreifen. In einer funktionierenden Ausbeutungsgesellschaft sollten wir allerdings auf solche Bedrohungen ernsthaft verzichten. Das können wir bestens dadurch besorgen, dass wir vermehrt für Sicherheit sorgen. Sicherheit schafft weiteren Umsatz, klare Strukturen, noch mehr (Sinnlos)Beschäftigung und hält die Freiheit soweit im Zaum, dass sie keiner Regierung mehr ernstlich gefährlich werden könnte.

Natürlich wird man die Freiheit nicht wirklich abschaffen, sie wird nur ein wenig modifiziert werden, so dass sie zeitgemäß daherkommt. Alte Inhalte mit neuen Begriffen zu (über)füllen ist heute keine Kunst mehr. Selbstverständlich darf man auch künftig aus einer Vielzahl von Smartphones auswählen. Auch im Supermarkt wird man weiterhin ganz freizügig alle Produkte nach Herzenslust einkaufen können. Vielfach darf man sogar noch sagen was man denkt, es interessiert nur niemanden mehr. Hunderte von Fernsehprogrammen sorgen dann für den Rest der Freiheit. Und wer besonders viel Geld hat, kann sich natürlich noch viele weitere schöne Freiheiten dazukaufen. Alle diese Freiheiten sind gut katalogisiert, bis aufs i-Tüpfelchen normiert und durchgestylt. Für alle dann noch im Angebot befindlichen Freiheiten wird es auch Garantien geben.

Und wer am Ende ganz, ganz, ganz viel Geld hat, der kauft sich einfach
noch die ultimative Freiheit, mit den Freiheiten der übrigen Menschen spielen zu dürfen. Das erst ist eine Riesengaudi, bei der man beispielsweise bezahlte Schlägertrupps, die sich Polizei nennen, auf andere unbedarfte Menschen eindreschen lassen kann.

Wir sehen, auch künftig werden die Freiheiten nicht nur geschützt und garantiert sein, sondern auch bestens sortimentiert, für jeden Geldbeutel etwas, je nachdem wie viel man sich davon noch leisten kann. Wen sollte es auch stören, wenn er aus Sicherheitsgründen nicht mehr ohne Voranmeldung von Berlin nach Brüssel reisen kann, wegen der allgegenwärtigen Terrorgefahr? Hat man aber einmal die Genehmigung für die Reise bekommen, hat man auch eine 99-prozentige Garantie lebend und in Freiheit in Brüssel anzukommen.

Sind wir doch mal ehrlich, die Auswüchse der sechziger und siebziger Jahre, wo auch der letzte Popel noch nach Freiheit schrie, führte doch nur dazu, dass jeder machte was er wollte, ein unkontrollierter Wildwuchs an Freiheiten entstand. So ein Diktat muss man sich heute nicht mehr gefallen lassen. Der Unterschied zwischen der alten und neuen Freiheit lässt sich wunderbar anhand von Kuhmilch erklären. Früher, wenn man die Milch frisch von der Kuh trank, konnte dies ernsthafte Gesundheitsrisiken bedeuten. Erst seit der Industrialisierung der Milchviehhaltung, der Normierung und auch der industriellen Behandlung der Milch, kann man diese in noch viel mehr Varianten als früher, gefahrlos aus dem Supermarkt konsumieren. Mit der modernen Nutzmenschhaltung verhält es sich um keinen Deut anders! Umso schneller wir die Diktatur der Freiheit überwinden, desto früher können wir gemeinsam, mit der neuen Eine Welt Regierung, als geeinte (normierte) Menschheit in den Konsumhimmel eingehen

Diktatur der Freiheit mit allen Mitteln beenden