Samstag, 15. Juni 2019

Als Arbeiter in Stalinstadt (Leseprobe 13)


SOLDATEN FÜR DEN FRIEDEN (Teil dreizehn)

Leseprobe aus „AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder“ im 70. Jahr der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949

Der Autor Harry Popow wurde 1936 in Berlin-Tegel geboren, wuchs in der DDR auf, arbeitete als Militärjournalist im Dienstgrad Oberstleutnant in der NVA und betätigt sich heute als Blogger, Buchrezensent und Autor. Er ist seit 1961 sehr glücklich verheiratet.

  1. Als Arbeiter in Stalinstadt (Eisenhüttenstadt)

  2. Kein Alltag – auch in Pinnow nicht – der nicht neue Überraschungen bereithält. Im Stab des Bataillons fragt man den Unterleutnant, ob er zu einem fünfmonatigen Produktionseinsatz für Offiziere möchte. Er will, obwohl er ja aus dem Bergbau kommt und die Erinnerung an die Produktion und die „Arbeiterklasse“ durchaus noch nicht vergessen hat. Aber er will raus aus der Truppe, wenigstens für einige Zeit. Ein wenig Abwechslung und neue Eindrücke können ihm nur gut tun. Wenige Tage nach dieser Anfrage muss er zur Aussprache nach Prenzlau in den Stab. Es ging um den Produktionseinsatz. Man schlug ihm Stalinstadt vor. Dort solle er im dortigen Eisenhüttenkombinat arbeiten. Spontanes Ja. Einst hatte er 1944 seinen Vater in einer Maschinenfabrik in Arnswalde (heute Polen) besuchen dürfen, da imponierte ihn die Größe der Werkhallen, das Dröhnen der Maschinen, die gewaltige Macht, die von ihnen ausgeht. Auch das Karl-Marx-Werk in Zwickau hatte es ihm angetan. Nun also wieder ein Riesenwerk. Er freute sich auf den Einsatz. Geld würde er vom Betrieb erhalten, das war ihm recht, Hauptsache wieder einmal mehr Leben schnuppern, mehr Freiheiten haben. Ihm leuchtete ein, die Offiziere, vor allem die etwas älteren, sollen in die Produktion, um die Verbindung mit der Arbeiterklasse nicht zu verlieren, für die sie ja die Waffen in die Hand genommen haben. Eine chinesische Erfahrung, die sich dort bewährt haben soll. Wir machen’s nach. „Na meinetwegen“, denkt Henry.

    Henry ist seit Montag, den 2. Februar 1959, im Kombinat. Der kleine Unterleutnant im großen Getriebe der Produktion. Das macht mächtig Eindruck auf ihn. Er wird im Mischbunker eingesetzt. Er wird herzlich aufgenommen. Die ersten Nächte schläft er in einer Baracke. Dann erhält er einen Brief vom Direktor für Arbeit des VEB Eisenhüttenkombinates: „Werter Kollege! Entsprechend dem Gesetz zur Förderung der Jugend und der Verwirklichung des Sozialismus hat das Eisenhüttenkombinat J.W. Stalin ... in der Straße des Komsomol Nr. 15, Block 95, Aufgang 5 erstmalig ein Wohnhaus mit Fernheizung als ein Jugendwohnheim eingerichtet. Damit wird angestrebt, den Jugendlichen unseres Betriebes ein schöneres und besseres Leben zu ermöglichen. Wir hoffen, dass Sie diese Mühe des Werkleitungskollektivs würdigen und dadurch unterstützen, indem Sie die dort geschaffene Einrichtung als Volkseigentum schätzen und zu deren Erhaltung beitragen ...“

    Henry ist rundum zufrieden. Das hält er auch in seinem Büchlein fest: Heißer, frisch aufgebrühter Tee ist doch etwas herrliches. Meine Brotsuppe, die ich eben gekocht habe, ist auch nicht schlecht. Die Wohnung für Ledige des Eisenhüttenkombinates liegt mitten im Zentrum und ist wirklich schön. Zwei Zimmer, Küche und Bad, Zentralheizung. Fühle mich richtig wohl. Im Betrieb arbeite ich im Mischhaus. Mit langen eisernen Stangen stoße ich das festklebende Erz von oben von der Bunkerwand. Es fällt in die sich drehende riesige stählerne Mischtrommel, wird mit anderen „Zutaten“ vermengt. Nach Schichtschluss habe ich frei. Nicht so, wie im Objekt in Pinnow, wo man immer auf dem Sprung sein muss, abberufen zu werden durch „Alarm!“ Oder die Männer meines Zuges haben irgend etwas angestellt usw. So kostbar dem Henry die Freizeit auch ist, er lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, innerhalb der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) an Segelflugstunden teilzunehmen. Dieser Sport hat ihn schon immer fasziniert, er hatte aber nie die Möglichkeit, ihn auszuführen. Nun bietet diese Organisation diese Chance. Etliche Stunden Theorie der Flugausbildung hat er bereits absolviert. Es macht ihm Spaß, neue Bedürfnisse befriedigen zu können, wenn dies auch nur von kurzer Dauer sein wird. Es ist am Abend. Henrys Blick geht aus dem Fenster auf den lichten und grünen Hof hinaus. Dort spielen die Kinder an Schaukeln, Klettergerüsten, Sandkästen, Bänken. Sie rufen, schreien, brüllen, stürzen, rennen, laufen zusammen und stieben wieder auseinander wie ein wild gewordener Haufen. Leben!

    Cleo besuchte Henry in Stalinstadt. Für zwei volle Tage. Er hätte ihr ein Hotelzimmer bestellen können ... Doch so blöd ist er nun wirklich nicht mehr. Endlich eine tolle Chance, mit Cleo ganz alleine zu sein ... Cleo stutzte dann auch, als Henry sie in die Wohnung führte: „Was, hast du kein Hotelzimmer für mich?“ Aber als sie sah, wie Henry sein Zimmer für sie liebevoll hergerichtet hatte, mit Blumen auf dem Nachttisch, der innen sogar mit Silberpapier ausgeschlagen war und mit etlichen Flaschen guter Getränke bestückt, z. B. auch Eierlikör, da hielt sie es wohl für vernünftiger, zu schweigen und keine Fragen mehr zu stellen ... Nach ihrer Abreise schrieb er diese Notiz: Cleo fuhr eben, 16.52 Uhr, wieder nach Hause. Habe mit einem Wohnungsnachbarn eine Flasche „Kakao mit Ei“ geleert. Und nun bin ich krank vor Sehnsucht. Wie leer es plötzlich in der Wohnung ist. Vor genau zwei Jahren haben wir uns kennengelernt. Beim Faschingsball mit der DAKO. Die zwei Tage hier in Stalinstadt brachten uns sehr viel näher. Wir waren im „Aktivist“ tanzen, wir schliefen zusammen, wir lieben uns. Es ist meinerseits nicht mehr nur Neugier und bloße Sehnsucht nach ihr - nein, ich kann ohne diese schöne, attraktive, kluge und kameradschaftliche Frau nicht mehr leben, das weiß ich jetzt. Und wie zur Bestätigung seiner Gefühle, schrieb ihm Cleo nach Tagen diese Zeilen: „Jedenfalls war es in Stalinstadt und bei Dir schön. Ich habe mir erst heimzu überlegt, wie schön Du alles gemacht hattest, siehe Blumen u. im Nachttisch Ananas, Pralinen und Likör ... Deine Cleo.“

    1. März 1959. Mittagsschicht. Kaum angefangen im Mischbunker, da kommt der Meister mit einer roten Azaleen. Zum Tag der NVA! Henry fühlt sich gut! Tage später notiert er: Kann kaum noch den Bleistift halten, so müde bin ich: Heute früh um 02 Uhr ins Bett, 04.30 zur Schicht, bis Mittag, dann zum Flugplatz, zum ersten Mal mit einem Segelflugzeug geflogen, Flughöhe 450 Meter, 18.30 Uhr zurück in meine Ledigenwohnung. Gute Nacht, Essen gekocht, gute Nacht Cleo!
  3. Zum Inhalt
  4. Ausgangssituation ist Schweden und in Erinnerung das Haus in Berlin Schöneberg, in dem die Ziebells 1945 noch wohnen. Der Leser erfährt zunächst, wer die Eltern waren (seine Mutter stammt aus Moskau), berichtet kurz vom Evakuierungsort 1943/44 in Pommern, von der Rückkehr in das noch unter Bombenhagel liegende Berlin (Schöneberg), von den Eindrücken nach Kriegsende und vom Einleben in der neuen Gesellschaft, dabei auch von einer Begegnung der Jungen Pioniere mit Wilhelm Pieck.

    Die Lehrzeit wird skizziert mit der Arbeit im Zwickauer Steinkohlenrevier, mit Tätigkeiten in der Geologischen Kommission der DDR und mit dem Besuch der Offiziersschule der KVP/NVA in Erfurt und in Plauen, wo er seine spätere Frau kennenlernte.

    Wie lebt ein junger Offizier in der Einöde im Nordosten der DDR, welche Gedanken und Gefühle bewegen ihn? Darum geht es in den nächsten Aufzeichnungen seiner Impressionen. Seine Träume führen ihn mitunter weg vom Kasernenalltag und so nimmt er die Gelegenheit wahr, für fünf Monate im Walz- und Stahlwerk Eisenhüttenstadt als einfacher Arbeiter tätig zu sein.

    Durch Versetzungen gelangt er nach Potsdam. Dabei kommen Querelen des Alltags als Ausbilder und später als Politoffizier nicht zu kurz. Ein Glücksfall für ihn, als er nach Neubrandenburg in einen höheren Stab als Redakteur berufen wird. Er beginnt ein Fernstudium als Diplomjournalist an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Inzwischen ist er längst glücklich verheiratet. Die Höhen und Tiefen eines Militärjournalisten – die zwingen ihn, vieles neu zu überdenken. Vor allem als einstiger Ausbilder gelingt es ihm, die Probleme der Soldaten immer besser zu verstehen und sie bildhaft zu schildern.

    Die spätere Arbeit als Abteilungsleiter in der Wochenzeitung „Volksarmee“ macht ihm nicht nur Spaß, er nimmt auch Stellung gegen Ungereimtheiten, was ihm nach der Entlassung aus dem aktiven Armeedienst und der Tätigkeit als Journalist im Fernsehen der DDR nicht nur böse Blicke einbringt. So fährt er im September 1989 seiner Tochter nach Ungarn hinterher, um herauszukriegen, weshalb sie mit ihrem Partner abgehauen ist; er gibt ihr dabei das Versprechen, sie in keiner Weise als Tochter zu verurteilen. Nach seiner Rückkehr wird er mit einer Parteistrafe gerügt, die Wochen später angesichts der vermeintlichen Verstöße und Fehler durch die Politik nicht mehr relevant scheinen und wieder gestrichen wird. Auf Unverständnis stößt er auch bei seinen Mitarbeitern, als er nach der Teilnahme an der Dokumentarfilmwoche1988/89 in Leipzig angeblich nicht die erwarteten   Schlussfolgerungen zieht.

    Nach der Wende: Versuche, arbeitsmäßig Fuß zu fassen, u.a in Gran Canaria und in einer Steuerfirma. Die Suche nach Alternativen, günstiger zu wohnen, sowie die Sehnsucht nach Ruhe führt das Ehepaar nach Schweden.

    Episoden aus dem Dorfleben und von vielen Begegnungen, so z.B. bei der Geburtstagsfeier einer siebzigjährigen Schwedin, machen den Alltag und die feierlichen Momente in der „Stille“ nacherlebbar. Keine der in der DDR erlebten Widersprüche und politischen Unterlassungssünden wirft den überzeugten Humanisten aus der Bahn, wogegen die Kapitaldiktatur mit ihren hörigen Medien, politische Manipulationen und Lügen im angeblich so demokratischen Deutschland ihn aufbringen –  er bleibt ein Suchender!

    Harry Popow: AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten. © Copyright by Harry Popow, Verlag: epubli, Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Erscheinungsdatum 18.02.2019, ISBN: 9783748512981, Seiten: 500, Preis: 26,99 Euro








Appell zum 22. Juni 2019: Kein 3. Weltkrieg



Appell zum Internationalen Kampftag gegen Imperialismus, Neofaschismus und Krieg am 22. Juni 2019


Nieder mit dem Imperialismus! Der Faschismus kommt nicht durch! Keinen 3. Weltkrieg!


Vom bevollmächtigten Komitee und politischen Rat der Internationalen Antiimperialistischen und Antifaschistischen Einheitsfront (EMAAF)

Der 22. Juni ist der Tag des faschistischen deutschen Angriffs auf die Sowjetunion und wird in der ehemaligen Sowjetunion öffentlich, wie auch in vielen Ländern der Welt, traditionell als Tag der Erinnerung und des Trauerns begangen. An diesem Tag wird erinnert an diejenigen, die während des blutigsten Krieges in der Geschichte der Menschheit gefallen sind, denjenigen gedacht, die ihr Leben für die Rettung der Menschheit vor dem Hitlerfaschismus gegeben haben. Die Menschen legen Blumen nieder an den Denkmälern und Gräbern der Opfer und Helden des vergangenen Krieges. Doch der Sieg des sowjetischen Volkes und der Länder der Anti-Hitler-Koalition im Jahre 1945 hat die Menschheit vor der faschistischen Gefahr nicht gerettet.

Die Ideologie und Praxis des Faschismus zeigt sich wiederum auf der politischen Arena, man nennt ihn in der Gegenwart Neofaschismus. Die Aktivierung reaktionärer, nationalistischer, militaristischer und neofaschistischer Kräfte führt dazu, dass sich die Gefahr eines 3. Weltkrieges erhöht. Der durch die Neofaschisten ausgelöste umfassende Dritte Weltkrieg, der sich im Falle seiner Erweiterung zu einem nuklearen Krieg ausweiten kann, kann zum Tod der gesamten menschlichen Zivilisation führen – das ist eine reale Gefahr.

Die allgemeine Krise des Imperialismus führt zum äußersten Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital, verschärft den innerimperialistischen Kampf um Märkte, Rohstoffquellen und Kommunikation, mit dem Ziel, fremde Territorien zu erobern und um die Welt zu beherrschen. Solange der Imperialismus herrscht, besteht die Gefahr von Kriegen.

Die sich auf uns zu bewegende globale Katastrophe kann nur durch die geeinte Kraft der Werktätigen aller Länder, friedliebenden Völker und Staaten, aufgehalten werden. Deshalb wurde auf Beschluss der Konstituierenden Konferenz der Vereinigten Internationalen Antiimperialisten der Antifaschistischen Front (EMAAF), die am 25. Mai 2017 in Moskau stattfand, der 22. Juni zum Internationalen Tag des Kampfes gegen Imperialismus, Krieg und Faschismus erklärt.

Um die Kriegsgefahr zu bekämpfen, um die Ausbreitung einer menschenfeindlichen faschistischen Ideologie zu verhindern, sich dem Angriff der Reaktion auf demokratische Rechte der Werktätigen zu widersetzen, appelliert das EMAAF-Exekutivkomitee und der Politische Rat der EMAAF an alle antiimperialistischen, antifaschistischen und Antikriegsorganisationen, ja an alle progressiven Menschen der Welt, Solidarität zu zeigen und in einer Einheitsfront gegen die Kräfte des Militarismus, des Krieges und Faschismus aufzutreten.

Wir rufen am Tag des 22. Juni 2019, am Jahrestag des Beginns des Großen Vaterländischen Krieges des sowjetischen Volkes gegen den deutschen Faschismus, auf, in den Hauptstädten und Städten verschiedener Länder nicht nur Gedenkveranstaltungen anlässlich dieses Tages der Trauer und Erinnerung, durchzuführen, sondern vor allem antiimperialistische antifaschistische Aktionen zu planen in Form von Demonstrationen, Kundgebungen und Versammlungen gegen den gegenwärtigen Militarismus, moderne Kriege, Neofaschismus und das Abgleiten der Menschheit in den Dritten Weltkrieg.

Wir sind überzeugt, dass die INTERNATIONALE SOLIDARITÄT - wie uns die historischen Erfahrungen lehren – eine gewaltige Kraft darstellt, die dazu fähig ist, die reaktionärsten Apologeten von Krieg und Faschismus zu stoppen.

Nieder mit dem Imperialismus!
Der Faschismus kommt nicht durch!
Keinen 3. Weltkrieg!



Übersetzung aus dem Russischen: Brigitte Queck

Online-Flyer Nr. 709  vom 12.06.2019








Freitag, 14. Juni 2019

Klima: CO2 Ausstoß? Zitiertes


Entnommen: https://connectiv.events/das-wissen-der-inuit-es-gibt-keine-klimaerwaermung-sondern-die-erde-ist-leicht-gekippt/

CO2 – Ausstoß?


Die Inuit. ein indigenes Volk im Einklang mit der Natur

Die Inuit sind, wie die „Native Americans“ (Indianer) ein indigenes Volk. Sie leben in der kanadischen Arktis, auf Grönland, in Sibirien und in Alaska leben. Letzten Winter haben ihre Ältestenräte getagt, ihre Erfahrungen miteinander abgeglichen und dann teilten die Stammesältesten der NASA mit, welche Veränderungen sie alle bemerkt haben. Ihrer Meinung muss sich die Erdachse verschoben haben. Das ist die schlüssigste Antwort auf die Veränderungen, die sie in ihrer Umwelt bemerken. Diese Schlussfolgerung ist die Ansicht eines Volkes, das sich in seinem Überlebenskampf auf die Ortung des Mondes und der Sterne verlässt, da sie einen großen Teil des Jahres in völliger Finsternis leben.

Sie glauben nicht, dass vom Menschen in die Atmosphäre entlassenes CO2 diese Veränderungen hervorrufen kann. Es geht nämlich nicht nur um Klimaveränderungen. Der Lauf der Sonne, ihre Aufgangspunkte und Niedergangspunkte, die Stellung der Sterne und die Winde haben sich leicht, aber bemerkbar verschoben. Die Sonne geht im Winter früher auf und später unter. Früher habe es nur eine Stunde Licht im Mittwinter gegeben, heute sind es zwei. Die Tage werden länger und die Sonneneinstrahlung ist wesentlich höher. Sie beobachten die zunehmend schmelzenden Gletscher, die Verbrennungen an den Körpern der Seehunde und die Beschädigungen ihrer Haut. Die Ältesten behaupten, dass die Sonne seit einiger Zeit nicht mehr dort aufgeht, wo sie früher einmal aufging und die Tage wärmer geworden sind und spürbar länger dauern als früher. So ging früher nach der langen Winterpolarnacht die Sonne pünktlich am 13. Januar zum ersten Mal wieder über der grönländischen Stadt Ilulissat auf. Seit 2011 ereignet sich dieser erste Sonnenaufgang im neuen Jahr aber am 11. Januar.


AUSSICHTEN: NATO-GROßMANÖVER 2021 - Ullrich Mies



Russland drangsalieren und den Angriffskrieg vorbereiten


VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 14. JUNI 2019


von Ullrich Mies

Im Jahr 2021 soll in Deutschland und Polen das NATO-Großmanöver „Steadfast Defender“ stattfinden. Völlig offensichtlich ist, dass der US/NATO/EU-Kriegskomplex des sogenannten freien Westens Russland maximal unter Druck setzen will oder sich sogar einen Angriffskrieg auf das Land vorbereitet. Zu diesem Zweck hat das westliche Kriegsbündnis zwischen 2014 und 2018 etwa 1.000 Militärmanöver und –übungen durchgeführt.

Am 15. Mai 2019 veröffentliche welt-online (1) ein Statement des ranghöchsten deutschen NATO-Admirals und Vizekommandeurs des NATO-Hauptquartiers Allied Command Transformation in den USA, Manfred Nielson. In einem Interview mit der Springer-Tageszeitung „Die Welt“ vom selben Tag hatte sich Nielson über die schlechte Infrastruktur in Deutschland beklagt, die schnelle Transporte von Soldaten und Kriegsmaterial quer durch Europa behindere. Der Hintergrund seiner Äußerungen ist das 2021 auf Deutschland zurollende NATO-Großmanöver „Steadfast Defender“.

Bemerkenswert ist, dass man zu dem für 2021 angesetzten NATO-Großmanöver außer dem Statement von Manfred Nielson und den Abwandlungen des Welt-Interviews auf anderen Internet-Plattformen keine Informationen findet. Offensichtlich soll das, was da auf Europa im Jahr 2021 zukommt, geheim gehalten werden, damit sich kein qualifizierter Widerstand gegen die fortgesetzte Kriegstreiberei formieren kann. Auch auf der ansonsten sehr umfangreichen Website der NATO findet sich kein einziger Eintrag zu dem geplanten Großmanöver, das in Deutschland und Polen abgehalten werden soll.

Dieses Großmanöver, darüber sollte sich die deutsche Bevölkerung klar sein, ist der Testfall auch für das eigene Land, um die NATO-Kriegsmaschine gegen Russland in Stellung zu bringen. Abgesehen von vielen Großtransporten mit Kriegsmaterial Richtung Osten wurde die deutsche Bevölkerung bislang noch nicht massiv belästigt. Offensichtlich glaubt die Merkel-Regierung und die sie kaum mehr tragenden Transatlantiker-Cliquen in den maroden Herrschaftsparteien, nun sei es dennoch so weit, die Vorstufe des Krieges gegen Russland auch im eigenen Lande erproben zu können. Folgendes ist geplant:

„Bei der Großübung werden nach Angaben Nielsons über 10.000 amerikanische Soldaten und rund 1.100 gepanzerte und ungepanzerte Fahrzeuge an mehreren europäischen Häfen ankommen. ‚Ich habe die Sorge, dass viele unserer Straßen und Brücken diesen Belastungen nicht gerecht werden‘“, sagte der Admiral. (2)

Nielson beklagte auch die erforderlichen Regelungen und Absprachen. Diese seien überarbeitungsbedürftig. Allein ein „Transport schweren militärischen Geräts von Nord- nach Süddeutschland innerhalb von 30 Tagen gelte als schnell, weil jedes betroffene Bundesland die Transporte“ genehmigen müsse. Die Bahn sei auch nicht auf schnelle Verlegungen eingestellt: „Wenn wir mit nur fünf Tagen Vorwarnzeit Panzer und Fahrzeuge innerhalb Deutschlands transportieren wollen, kann die Bahn dies derzeit nicht leisten. Die Bahn braucht dafür im Regelfall 36 Tage Vorlaufzeit“, so Nielson. (3)

Im Klartext heißt das, hier soll ein führender deutscher NATO-Offizier der deutschen Bevölkerung „Zusatzinvestitionen“ eine „Panzer“-feste Infrastruktur plausibel machen, um so durch die Hintertür die von den USA geforderte 2 Prozent BIP-Marge für Militär- und Rüstungsausgaben näherungsweise zu erreichen. Vor allem — und da sollte sich niemand Illusionen machen — dienen die geforderten Zusatzinvestitionen im Verband mit „Steadfast Defender 2021“ dazu, die sicherheitspolitische Lage immer weiter zu eskalieren und die Bevölkerung auf einen möglichen Krieg gegen Russland einzuschwören. Auch Nielsons NATO-Kollege Ben Hodges forderte bereits 2018 Investitionen in die militärische Mobilität: Die Politik sei gefragt, ‚wenn es um Investitionen in die militärische Mobilität geht. In der Luft, an Land und zur See gleichermaßen‘ solle ‚Geld in die Hand genommen werden, damit Transporte schneller und sicherer erfolgen könnten,‘ erklärte Hodges. Dass es hier um das Geld der Völker geht, das ihnen zu Gunsten verbrecherischer Kriegstreiber in Regierungen und Militärapparaten abzupressen sei, sagte er nicht. Auch ist für Hodges klar, welche Rolle Deutschland als Vasall US-amerikanischer Elite-Faschisten im Kriegsfall zu erfüllen hat:

„Ich kann mir kein Land vorstellen, dass diese Verantwortung besser übernehmen könnte als Deutschland, auch unter dem Blickpunkt geographische Lage und Fähigkeiten. Aus amerikanischer Sicht ist Deutschland unsere Basis.“ (4)

Die am Rande ihrer Legitimation dahin wurstelnden westlichen Herrschaftscliquen in Parteien und Regierungen im Schulterschluss mit ihren NATO-Kriegstreibern lassen keine Gelegenheit aus, ihre verlogenen Narrative über das aggressive Russland aber auch China als die großen, kommenden Zukunftsgefahren für den Westen zu propagieren. Diese lassen sich in ihrer intellektuellen Bedürftigkeit kurz verdichten auf folgende Aussagen:

- das aggressive Russland bedroht die westlichen Werte,
Russland hat die Krim annektiert,
- Russland bedroht die Ukraine, insbesondere den Osten des Landes,
- Russland hat die Skripals vergiftet,
- Russland ist für den Abschuss von MH17 verantwortlich,
- Russland hat „unsere gemäßigten Rebellen“ in Syrien aus dem Rennen geworfen,
- Russland hat sich in den US-amerikanischen Wahlkampf eingemischt.



Während es sich bei den letzten 4 Punkten entweder um westliche Geheimdienstplots, um unbewiesene, gleichwohl tausendfach wiederholte Behauptungen oder sich bekriegende inneramerikanische Lager handelt, will ich in aller Kürze hier auf die selbstverschuldeten Verheerungen westlicher Politik seit dem Jahr 1990 eingehen: (5)

Den USA und den NATO-Staaten kamen mit dem Zusammenbruch der UdSSR nach 1990 der Feind und der Kalte Krieg abhanden, darum brauchten sie für ihre Militärapparate neue Aufgaben und Legitimationen. Die Vorbereitungen hierzu schufen sie im Zeitraum bis etwa 1998. Ihre neue Geostrategie der Expansion war in Umrissen jedoch schon zur Mitte der 1990er-Jahre konzipiert. Sie basiert auf der Globalisierung des Kapitals sowie Machtzuwachs und Expansion in die ehemaligen UdSSR-Satellitenstaaten, um immer neue Länder in den eigenen Machtbereich aufzusaugen. (6) Der alte Kalte Krieg (7) des abgeschlossenen Systemkampfes Kapitalismus gegen Kommunismus wurde ab etwa 2000 in ein neues ideologisches Gehäuse umgebettet und als Kalter Krieg 2.0 gegen das „aggressive Russland Putins“, gegen die „Terroristen“ und neuerlich gegen China fortgeführt. Die Weltbeherrschungsstrategie der USA und ihres transatlantischen NATO-/EU-Anhangs umfasst seit dem totalen Sieg des Kapitalismus 1990 folgende Komponenten:

- die NATO-Osterweiterung in mehreren Schritten und Aggressionsphasen: 1999, 2004, 2009, 2017,
- die EU-Erweiterungen: 1995, 2004, 2007, 2013,
- die Radikalisierung des außenpolitischen Establishments der USA durch neokonservative Cliquen, (8)
- die systematische Revitalisierung Russlands als neuer Feind ab etwa 2000,
- den „war on terror“, formal seit 2001, den ideologischen Hintergrund formulierte Huntington in „Clash of Civilizations“, (9)
- die Greater Middle East Initiative zur Beherrschung des ölreichen Nahen und Mittleren Ostens,
- den Schwenk nach Asien (Pivot to Asia) unter Obama seit 2012, um den neuen Feind China ins Visier zu nehmen,
- den Kampf der Herrschaftscliquen gegen die eigenen Völker durch Massenverdummung (information warfare), Totalüberwachung und Aufstandsbekämpfung,
- die Instrumentalisierung der Massenmigration unter anderem als „Herrschaftstechnik nach Innen“. (10)



Die NATO-Russland-Beziehungen befinden sich insbesondere seit dem NATO-Jugoslawien-Krieg 1999, dem US-induzierten Krieg in Georgien 2008, der von deren Statthalter Michael Saakaschwili losgetreten wurde, im freien Fall. (11) Mit dem US-/EU-geförderten Putsch in der Ukraine und der daraus resultierenden Ukraine-Krise 2013/2014 sind die Beziehungen vollends zerrüttet.

Militärmanöver und –übungen von 2014 bis 2019

Die überwiegende Zahl der Manöver und Militärübungen der NATO und NATO-alliierter Staaten fanden an der Westgrenze Russlands und zwar unter Beteiligung oder sogar Federführung der östlichen NATO-Partner statt, viele auf deren Staatsgebiet. Hier bestätigt sich auch das, was George Friedman, früher Stratfor, sagte, dass die USA einen Cordon Sanitaire um Russland ziehen, um selbst nach einem fundamentalen Wandel der deutschen Außenpolitik eine Annäherung an Russland unmöglich zu machen. Fast alle Manöver waren eindeutig gegen Russland gerichtet, auch wenn die NATO in allen Factsheets zu den NATO-Übungen bis 2018 etwas Anderes ausdrücklich betont:

„Die NATO-Übungen sind nicht gegen ein Land gerichtet. Sie basieren auf fiktiven Szenarien mit fiktiven Gegnern.“ (12)

Diese völlig unglaubwürdige Formulierung taucht erst ab 2019 nicht mehr in den Factsheets auf.

2014

2014 führte die NATO im Rahmen ihres NATO Readiness Action Plan in Europa mehr als 200 NATO- und nationale Übungen durch. Wichtige Manöver waren unter anderem: (13)

- Black Eagle in Polen, 20. Oktober bis 5. Dezember: 2.000 britische und polnische Truppen,
- Steadfast Javelin I in Estland, 16. bis 23. Mai: 6.000 Truppen aus neun alliierten Ländern,
- Steadfast Javelin II in den baltischen Staaten, Deutschland und Polen, 2. bis 8. September: 2.000 Truppen aus zehn alliierten Ländern und
- Iron Sword in Litauen, 2. bis 14. November: 2.280 Truppen aus neun alliierten Lä



2015

2015 führten die NATO und ihre Alliierten ebenfalls im Rahmen des NATO Readiness Action Plan insgesamt über 280 NATO- und nationale Übungen in Europa durch. Über 100 Übungen davon fanden im östlichen Teil des Bündnisses „im Rahmen der Sicherungsmaßnahmen der NATO“ statt. Das größte Militärmanöver 2015 war Trident Juncture im Oktober und November 2015 in Italien, Spanien und Portugal. Luft-, Land-, See- und Spezialkräfte, insgesamt 36.000 Soldaten aus mehr als 30 Nationen nahmen teil. Ziel war, sicherzustellen, dass die Streitkräfte in der Lage sind, schnell und entschlossen auf plötzliche Krisen aus allen Richtungen zu reagieren.

Die wichtigsten multinationalen Manöver und Militärübungen der NATO und ihrer Alliierten des Jahres 2015 sind im Factsheet 2015 gelistet. (14)

2016

2016 führten die NATO und ihre Alliierten insgesamt 240 Militärmanöver und -übungen durch. Das größte Militärmanöver 2016 war Anakonda vom 7. bis 17. Juni in Polen mit Luft- und Landstreitkräften und 31.000 Soldaten. 23 Nationen nahmen teil. Das war das größte alliierte Manöver in diesem Jahr. Das von Polen geführte Manöver testete die Einsatzbereitschaft und Interoperabilität der polnischen Streitkräfte mit den teilnehmenden Verbündeten und Partnern. Diese lang geplante Abwehrübung war eine von vielen einer Serie, die alle zwei Jahre stattfindet.

Die wichtigsten multinationalen Manöver und Militärübungen der NATO und ihrer Alliierten des Jahres 2016 sind im Factsheet 2016 gelistet. (15)

2017

Insgesamt führten die NATO und ihre Alliierten im Jahr 2017 270 Manöver und -übungen durch, davon 108 durch die NATO und 162 nationale Übungen unter der Leitung der Alliierten.

Die wichtigsten multinationalen Manöver und Militärübungen der NATO und ihrer Alliierten des Jahres 2017 sind im Factsheet 2017 gelistet. (16)

2018

Im Jahr 2018 führten die NATO und ihre Alliierten insgesamt 286 Militärmanöver und -übungen durch. 103 durch die NATO selbst, wovon 51 NATO-Übungen auch den Partnern offen standen. 183 Übungen der 286 führten die Verbündeten als nationale und multinationale Übungen durch. Die von der NATO und den Alliierten in diesem Jahr geleiteten Übungen umfassten etwa 45 Übungen mit einem Schwerpunkt auf dem Landbereich, 12 Übungen hauptsächlich im Luftbereich, 15 Übungen konzentrierten sich hauptsächlich auf maritime Einsätze. In anderen wurden Cyberabwehr, Entscheidungen in Krisensituationen oder spezifische Fähigkeiten trainiert. Mehr als 40 Übungen der NATO und der Alliierten im Jahr 2018 konzentrierten sich auf die Bewältigung der Herausforderungen des Südens. Die Verteidigung der Verbündeten im östlichen Teil der NATO stand im Mittelpunkt weiterer 30 Übungen. Neun NATO- und alliierte Übungen konzentrierten sich insbesondere auf den Norden. Das größte NATO-Manöver im Jahr 2018 war Trident Juncture 2018 vom 25. Oktober bis 7. November mit circa 50.000 Soldaten der NATO und den Partnerländern, mit 250 Flugzeugen, 65 Schiffen und bis zu 10.000 Fahrzeugen. Das Großmanöver fand in Teilen Norwegens und den umliegenden Gebieten des Nordatlantiks und des Baltischen Meeres statt

Die wichtigsten multinationalen Manöver und Militärübungen der NATO und ihrer Alliierten des Jahres 2018 sind im Factsheet 2018 gelistet. (17)

2019

Für 2019 sind insgesamt 310 Manöver und Militärübungen der NATO sowie nationale und multinationale Übungen der Partner geplant. Davon 102 NATO-Übungen, von denen 39 offen für Partner der NATO sind. Die Verbündeten werden voraussichtlich 208 nationale und multinationale Übungen durchführen. Die von der NATO und den Alliierten in diesem Jahr geleiteten Übungen umfassen etwa 25 Übungen, die sich hauptsächlich auf den Landbereich konzentrieren, 27 Übungen, die sich auf den Luftbereich konzentrieren, und 12 Übungen, die sich hauptsächlich auf maritime Operationen konzentrieren. Viele andere Übungen trainieren spezifische Funktionen oder Fähigkeiten wie Cyberabwehr, Entscheidungen in Krisensituationen, chemische, biologische, radiologische, nukleare Verteidigung, Logistik, Kommunikation und Medizin.

Die wichtigsten multinationalen Manöver und Militärübungen der NATO und ihrer Alliierten des Jahres 2019 sind im Factsheet 2019 gelistet. (18)

Desaströse Außenpolitik

Der Weg in eine desaströse Außenpolitik gegenüber Russland wurde seit etwa 1993 beschritten. Er beginnt bereits unter Helmut Kohl mit dessen Verteidigungsminister Volker Rühe (19), der in Kooperation mit osteuropäischen Regierungen und Teilen der US-Administration maßgeblich die Weichen für die NATO-Osterweiterung in Deutschland stellte. Kein einziger Außenminister der Nachwende-Ära, Hans-Dietrich Genscher, Klaus Kinkel, Joschka Fischer, Frank-Walter Steinmeier, Guido Westerwelle, Sigmar Gabriel oder schließlich Heiko Maas stellten jemals die NATO-Osterweiterung als das in Frage, was sie ist: ein friedensgefährdendes, weil imperialistisches geopolitisches Projekt des Westens. Diese Außenpolitik wurde und wird nach wie vor im höchsten Maße mit den USA respektive der NATO abgesprochen und zwischen ihnen koordiniert.

Diese Politik betreibt die Regierung Merkel im Kombi-Pack mit der SPD seit Jahren, sie nimmt die Eskalation der Spannungen bewusst in Kauf oder, wie am Beispiel der Ukraine nachweisbar, verfolgt sie systematisch. Das heißt, der 1990 untergegangene alte Kalte-Kriegs-Feind UdSSR wurde lange vor dem Jahr 2000 langsam aber stetig als Feind des neuen Kalten Krieges 2.0 aufgebaut, weil das westliche Bündnis einen neuen „aggressiven Feind“ brauchte, um schließlich die enormen Militarisierungsanstrengungen des Westens  zu legitimieren.

Für eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland wäre es sehr gut, wenn Deutschland seine Straßen, Brücken und Eisenbahnstrecken nicht kriegstauglich machen würde. So könnte es seiner Rolle als Transitstaat für Soldaten und Militärmaterial und als Zentralstaat möglicher Kampfhandlungen entgehen. Zumindest würde eine nicht panzerfeste Infrastruktur einen Krieg in Europa erschweren und potenzielle Eskalationen in Richtung Krieg abmildern. Aber soviel Weisheit bringt das deutsche außenpolitische Establishment nicht auf, daher muss die deutsche Bevölkerung dieses Establishment austauschen.

Wer jedoch die Spannungen stetig eskaliert — nicht zuletzt durch permanente Militärmanöver, und wer sich zumindest die Kriegsführungsoption in Europa gegen Russland offen halten will, der braucht eine kriegsfeste Infrastruktur. Und genau diese wollen die USA als Führungsmacht der NATO in Europa, und ihre Satrapen in Berlin folgen ihnen dabei auf dem Fuße. Dass sie dabei den Frieden aufs Spiel setzen, stört diese Hasardeure offensichtlich nicht. Im Gegenteil, sie arbeiten ihre friedensgefährdende Agenda im komplexen Zusammenspiel mit dem Tiefen Staat immer weiter aus. Und diesem Willen folgen die Merkel-Regierung und die sie tragenden neokonservativen Transatlantiker-Parteien.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Außenpolitik der EU und der NATO stets eng miteinander verzahnt sind. Daher ist es auch kein Zufall, dass die EU 6,5 Milliarden Euro bereitstellt, um die Infrastruktur quer durch Europa bis an die Ost-Front kriegsfest zu machen. Soeben hat das EU-Parlament, das ja bekanntlich gar kein klassisches Parlament ist, mit 15 Milliarden Euro den Weg freigegeben, den Rüstungsfonds der EU zu füllen, der dann bis 2027 auf 60 Milliarden anwachsen soll. Wer dann von einem „Friedensprojekt Europa“ redet, weiß gar nicht, wovon er/sie spricht.

Die USA als Führungsmacht der NATO sind ein Kriegsstaat, der seit seiner Existenz nur wenige Jahre keinen Krieg geführt hat. Zusammen bilden NATO und EU ein imperialistisches Herrschafts-Konglomerat, das sich gegen Russland und China positioniert.

Die genannten kleinen und großen Übungen und Militärmanöver summieren sich für den 4-Jahres-Zeitraum von 2014 bis 2018 auf über 1.000, das Jahr 2019 ist dabei noch gar nicht berücksichtigt! Milliardensummen wurden so verschleudert und dem Zivilsektor abgepresst, der ja letztlich den ganzen Irrsinn finanzieren muss.

Auf Russland soll als immer bedeutungsvollere Wirtschaftskriegsmaßnahme durch Manöver, Kriegsübungen und Sanktionen

- maximaler Druck ausgeübt,
- das Land in neue Rüstungsrunden getrieben und so
- an den Rand des ökonomischen Kollaps geführt werden.
Als Endziel wollen die angemaßte Weltmacht USA und ihre transatlantischen EU-Vasallen

die russischen Ressourcen zu ihren Bedingungen übernehmen,
den russischen Investitionsraum mit Hilfe ihrer Finanzindustrie und korrupter Oligarchen erschließen,
den russischen Absatzmarkt für sich gewinnen.
Die oben genannte Kritik des NATO-Admirals Nielson über die schlechte deutsche militärrelevante Infrastruktur verfolgt das völlig eindeutige Ziel, nämlich die Notwendigkeit weiterer militärbezogener Investitionen zu unterstreichen. Das heißt, es geht letztendlich darum, in der Bevölkerung um Verständnis für die immer weitere Erhöhung der Militär- und Rüstungsausgaben zu werben. Auch soll so verdeutlicht werden, dass weitere Steigerungen der Militär- und Rüstungshaushalte unausweichlich sind, will Deutschland den Vorgaben der NATO und der USA entsprechen. Wir kennen alle diese Sprüche, soeben auch wieder von Merkel vorgetragen: „Die NATO-Partner erwarten das von uns.“ Das ist nur noch armselig.

Bei all dem Kriegsgekreische geht es selbstverständlich auch um Kredite, Geschäfte und Investitionen, mit denen sich dann die privaten Kontraktpartner zulasten des Steuerzahlers und der Bürger bereichern können. Diese Art der Investitionen kommen in keinem Fall der Zivilgesellschaft zugute, sondern dienen ausschließlich der potenziellen Kriegsführungsfähigkeit gegen Russland. Die Zivilgesellschaft ist somit doppeltes Opfer all dieser Entwicklungen — zum einen, weil der Zivilgesellschaft die Mittel für eine positive Entwicklung abgepresst werden, und zum anderen, weil dadurch das Kriegsrisiko in Zentraleuropa weiter steigt.

Quellen:

https://www.welt.de/newsticker/news1/article193516743/Infrastruktur-Ranghoher-Nato-General-kritisiert-deutsche-Infrastruktur.html
https://augengeradeaus.net/2019/05/deutscher-nato-admiral-beklagt-mangelhafte-infrastruktur-in-deutschland-nicht-nur-fuers-militaer/
https://deutsch.rt.com/meinung/81098-damonendammerung-krieg-gegen-china-und/
Siehe hierzu ausführlich: Ullrich Mies, Wie die „westliche Wertegemeinschaft“ den kalten Krieg 2.0 installierte, in: Ders. (Hg.), Der Tiefe Start schlägt zu. Wie die westliche Welt Krisen erzeugt und Kriege vorbereitet, Seite 163-192





Montag, 10. Juni 2019

Bürger ohne politischen Protest?i



Die Alliierte Merkel


D-Day ohne Rüstungsindustrie unhistorisch


Autor: U. Gellermann
Datum: 10. Juni 2019

Da waren sie, die tapferen Menschen, die damals, vor 75 Jahren von Portsmouth, von der englischen Südküste ablegten, um in der Normandie den Kampf gegen Hitler-Deutschland aufzunehmen. Und mitten in den Alliierten die deutsche Kanzlerin. Eine Alliierte ehrenhalber, die sich von der Queen hat bitten lassen. Wer erinnert, dass Merkels Vor-Väter und -Mütter doch mehrheitlich auf der Naziseite gewesen sind, der ist vielleicht auch so verstiegen, die Russen auf dem Gruppenbild der Anti-Hitler-Koalition rund um die englische Königin zu vermissen. Doch längst sind die Alliierten im Medien-Jargon auf drei zusammengeschrumpft: Die USA, Frankreich und England. Zwar waren die Russen auch irgendwie am Krieg gegen Nazi-Deutschland beteiligt, aber zur Feier des "Geschenk der Geschichte", wie Angela Merkel die Invasion der West-Alliierten nannte, waren sie schon mal gar nicht eingeladen.

Natürlich begann die Niederlage der Nazis an der Ostfront: Erst Anfang Dezember 1941, als Hitlers Blitzkriegsstrategie durch eine Gegenoffensive der Roten Armee vor Moskau gestoppt wurde, erst als die Wehrmacht ohne das Öl aus dem Kaukasus und die vielen anderen schönen Raub-Ressourcen auskommen musste, erst dann eröffneten die USA und ihre Verbündeten die "Zweite Front“. Jene militärische Offensive, der die im Osten, in Stalingrad und im Kursker Bogen schwer angeschlagene deutsche Armee nicht mehr die alte Kraft entgegenzusetzen hatte. Nun also statt Putin Merkel beim D-Day. – Fraglos haben die Deutschen sich nicht selbst vom Nazi-Regime befreit, dieses Geschenk musste man ihnen schon aufzwingen. Aber es gab Deutsche, die in der Emigration, in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nazis an der Niederlage Hitlers arbeiteten. Nicht sehr wirksam, aber gefahrvoll und ehrenhaft. Sie waren die wenigen Alliierten der Alliierten in Deutschland. Ihrer wurde in Portsmouth mit keinem Wort gedacht. Statt dessen war jene Kanzlerin eigeladen, die Jahr für Jahr ihre Verteidigungsminister zur Münchner Rüstungsmesse, der sogenannten "Sicherheitskonferenz" delegiert. Dort, wo die Erben der Nazi-Industrie sich die Hände reichen und auf die nächsten Auslandseinsätze wetten.

Beinahe hätten die Nazis ihren Krieg gewonnen. Mit der legendären 8,8-cm Flugabwehrkanone von Rheinmetall. Mit dem bewährten Granatwerfer 34 aus demselben Rüstungsbetrieb in Düsseldorf. Mit dem höchst zuverlässigen Standardgewehr 41, entwickelt und hergestellt von der Walther GmbH, die auch heute noch im Geschäft ist und auf die Kolben ihrer Gewehre jede Menge Kerben schnitzen könnte: So viele böse Feinde konnten mit dem Produkt ins Jenseits befördert werden. Nicht zu vergessen der Panzerkampfwagen VI „Tiger“ von Henschel in Kassel , der an fast allen Fronten die Gegner nur so abräumte, bis die Hitlerei endlich abgeräumt wurde. Macht nichts, sagten die Rüstungs-Erben, neuer Staat, neues Glück. Selbst die U-Bootbauer von der Howaldtswerke-Werft sind immer noch an der Front: Damals belieferte sie den Nazikrieg, heutet Israel mit den Booten der Dolphin-Klasse. Ohne diese Betriebe der deutschen Kriegsindustrie waren die Feiern zum D-Day geradezu unhistorisch. So gesehen war die Merkel als nationale Vertreterin der Kriegsgewinnler bei den Festlichkeiten doch richtig, sie mochte aber die Rolle der deutschen Wirtschaft bei der Überführung der Industrie von der Diktatur in die Demokratie nicht herausstreichen. Obwohl der prima Schützenpanzer Marder, ein Produkt der bekannten Firma Rheinmetall, heute in Afghanistan im Einsatz ist. Mit dem Panzergrenadierbataillon 212 zum Beispiel, das historisch korrekt in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne Augustdorf zu Hause ist.

Tatsächlich ist Deutschland zum Alliierten der USA und ihrer Verbündeten geworden: Schon die alte Bundesrepublik hatte sich als NATO-Sprungbrett nach Osten ausbauen lassen. Als das gegnerische System ausfiel, kamen neue Feinde ins Visier der alten Macht-Schemata: Jugoslawien wurde gründlich zerstückelt und gebombt, im strategisch wichtigen Afghanistan macht man bis heute den Junior-Partner der USA, für den Irak-Krieg übernahmen die deutschen Medien brav die Reklame, und in Libyen wäre man gern dabei gewesen. Für Syrien wurde in Berlin der Regime-Wechsel geplant. Und man würde zwar gern weiter Geschäfte mit dem Iran machen, aber dem drohenden Krieg der USA tritt die Regierung nicht ernsthaft entgegen. – Nach dem ersten Weltkrieg war Deutschland immer noch mächtig. Nach dem zweiten Weltkrieg war es noch irgendwie bewohnbar. Nach dem dritten, dem atomaren Krieg wird es nicht mehr zu finden sein. Es wird keinen D-Day geben.



Kommentare
Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:



Am 10. Juni 2019 schrieb Harry Popow:
Bürger ohne Aufschrei?
Russlands Repräsentanten nicht einzuladen bedeutet erwartungsgemäß knallhart die Fortsetzung des zweiten Kalten Krieges. Wer jetzt nicht schnell genug die Augen öffnet und Konsequenzen zieht vor diesen westlichen ?Werte-Eliten?, der bleibt auf der Strecke. Besonders jene Wähler, die ihr Ja zur Eurowahl gegeben haben. Schlimm genug, dass diese politische Ausgrenzung des unumstrittenen ersten großen Befreiers des deutschen Volkes vom Faschismus einigen Leuten nicht einmal aufgefallen sei. Eigentlich hätte ein enormer Aufschrei des Protestes durch alle ehrlichen und verantwortungsbewussten Bürger gehen müssen. Wer solch einer enormen geistigen und politischen Verdummung nicht Paroli bietet, macht sich ? sicherlich ungewollt ? mitschuldig. Herzlichen Dank für diesen Beitrag.

Am 10. Juni 2019 schrieb Hanna Fleiss:
Sie fälschen die Geschichte, wie sie gerade lustig sind. Dass ausgerechnet Putin als der Nachfolge-Repräsentant des sowjetischen Volkes, das die unvorstellbarsten Opfer bringen musste im zweiten Weltkrieg, nicht zur Festveranstaltung zum D-Day eingeladen wurde, eine solche Ungeheuerlichkeit hätte ich dem schlimmsten kalten Krieger nicht zugetraut. Gesteigert wurde die Ungeheuerlichkeit noch dadurch, dass ausgerechnet Merkel dabei war, Merkel, die Repräsentantin des dem faschistischen Deutschland nachfolgenden Staates BRD, der sich wiederum rüstet, um Russland zu erobern, getreu der US-Vasallenfunktion der BRD. Für diese Ungeheuerlichkeit findet man keine Worte. Aber da sind sie wieder, die "gemeinsamen Werte". Was wir von diesen "gemeinsamen Werten" zu halten haben, wissen wir. Mehr Beweis brauchten wir nicht.

Am 10. Juni 2019 schrieb Sylvia Dengler:
Beinnahe wäre es mir nicht aufgefallen, dass die Russen am D-Day fehlten. Danke für die Nachhilfe.

Am 10. Juni 2019 schrieb Matthias Brendel:
Danke lieber Uli.

Der andauernde Versuch die Geschichte umzulügen ist sinnlos und lächerlich und mehr und mehr Leute scheinen das zu begreifen.
Es waren die Russen, die den Nazis zuerst das Genick brachen.
Die USA machen sich grundsätzlich immer erst über Länder her, die chancenlos sind, um dann die wichtigsten Dinge, die noch von Interesse sind, abzutransportieren.
Bei den Nazis waren es später die "Wunderwaffen" und natürlich die Devisen und geraubte Kunstschätze, sowie die klugen Köpfe, völlig egal ob Nazi oder nicht.
Miss Merkel musste diesmal fast am Katzentisch sitzen, war doch dieser neuerliche Versuch Russland auszugrenzen einfach nur noch grotesk.
Währenddessen wird weiter Kriegsgerät nach Osten transportiert, frohe Pfingsten.

Am 10. Juni 2019 schrieb Ronald Wolf:
Ich dachte ich wäre der Einzige dem das Fehlen der Russen aufgefallen wäre. Vielleicht ist das weil ich ein Ossi bin und die Indoktrination durch die schlimme DDR-Geschichtssicht mich so verblendet hat, dachte ich mir. Jetzt fällt es aber zum Glück und natürlich gerade dem klugen Uli Gellermann auf. Das wundert mich nicht.
Die Feiern zum D-Day zeigen den gegenwärtigen Zeitgeist. Russland wird als Feind wieder aufgebaut und die Rüstungsindustrie feiert Milliardengewinne. Putins Aufforderung an die europäischen Länder sich für den Atomwaffensperrvertrag einzusetzen wird doch tatsächlich durch die Medien als bösartige russische Masche und Erpressung hingestellt. Entschuldigung an alle ehrlichen Journalisten, aber die deutschen Medien sind faschistoid. Was hier abgeht ist fern von Neutralität und Dialektik. Die Propagandamaschinerie läuft auf Hochtouren. Beruhigend ist, dass der große Blitz auch diese Kriegswahnsinnigen entsorgen wird, aber leider auch die vielen Milliarden unschuldige Menschen. Traurige Grüße aus dem Vogtland.





Samstag, 8. Juni 2019

Neue Euro-Krise? - Rainer Rupp



Steht die nächste Euro-Krise vor der Tür?


VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 8. JUNI 2019

von Rainer Rupp – https://kenfm.de

Nur wer ganz fest die Augen verschlossen hat, hat nicht gemerkt, dass sich seit Jahren eine neue Euro-Krise zusammenbraut. Es war nie eine Frage des „ob“, sondern nur des „wenn“ und was oder welches Land der Auslöser sein würde. Nun scheint der Augenblick gekommen zu sein. Diejenigen, die ihre Wette auf Italien platziert haben, scheinen den besseren Riecher gehabt zu haben. Begünstigt wird die neue Krise durch das Wahlergebnis des so genannten „Europa Parlaments“, das die EU-skeptischen Kräfte gestärkt hat, vor allem in Italien.

Obwohl der sündhaft teure Debattierklub in Brüssel und Straßburg so gut wie keine Rechte und Befugnisse hat, die bei einem nationalen Parlament selbstverständlich sind, haben die Wahlen den bisher in Brüssel dominierenden Parteienklüngel durcheinander gewirbelt. Dadurch dürfte der bisherige, neoliberale Konsens der abgehobenen Eurokraten und deren politische Handlungsfähigkeit in der entscheidenden Auseinandersetzung mit der aufmüpfigen, italienischen Regierungskoalition geschwächt werden. Dazu meinte George Lagarias, Chef-Ökonom der international operierenden Finanzberatungsfirma „Mazars“:

„Insgesamt ist der populistische Fußabdruck im Europäischen Parlament größer geworden. Dadurch werden die Zentrifugalkräfte verstärkt, die weitere europäische Integration wird behindert und möglicherweise die Belastung des Euro erhöht“ (1)

Während der letzten Euro-Krise hatte die EU-Kommission in Brüssel und die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt leichtes Spiel mit den schwachen, kleineren Mitgliedsländern wie z.B. Griechenland und Portugal gehabt. In der neuen Krise hat jedoch Italien, das nach Deutschland und Frankreich die drittstärkste Wirtschaftsmacht der Eurozone ist, die Oberhand, falls die EU einen Finanzkrieg gegen Rom führen will. Aber genau danach sieht es derzeit aus.

Weil sich Italien nicht der von Brüssel verordneten Austeritätsformel von einem maximalen Haushaltsdefizit von 3% des Bruttoinlandsproduktes fügen will, will die Europäische Kommission – unterstützt von dem im Hintergrund agierenden Berlin – ein Disziplinarverfahren Verfahren gegen Rom einleiten, das die Italiener bis zu 3 Milliarden Euro Strafe kosten könnte.
Dagegen stemmt sich der neue starke Mann Italiens, Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini. Er fordert eine Änderung der Austerität-Haushaltsregeln der EU. Diese haben sich nicht nur ökonomisch als absolut untauglich erwiesen, sondern auch in den von der Krise besonders betroffenen Ländern wirtschaftliche und gesellschaftliche Verheerungen angerichtet haben, die man sonst nur aus Kriegszeiten kennt, siehe z.B. Griechenland.

Selbst die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ schrieb diese Woche (am 4. 6. 19.), dass „anders als andere Ökonomien Italien nicht erkennbar von der Mitgliedschaft in der Währungsunion profitiert“ habe (2). Vor allem seit der Finanzkrise sei die die Schwäche der Südeuropäer immer offensichtlicher geworden. So träten die Aktien an der Mailänder Börse seit zehn Jahren auf der Stelle. Und während sich andere große Volkswirtschaften Europas Dank der Geldvervielfältigungspolitik der EZB für einen Zins von null oder sogar zu negativen Zinsen verschulden können, zahlt Italien 2,6 Prozent für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit.

Salvini, dessen rechtskonservative Liga-Partei am Sonntag bei den so genannten „Europawahlen“ einen überwältigenden Sieg davon getragen hat, fühlt sich daher in seinem EU-kritischen Kurs bestärkt. Er versprach bei der Siegesfeier, dass er „alle Kräfte“ einsetzen werde, „um gegen veraltete und unfaire europäische Haushaltsregeln der EU zu kämpfen“, denn diese seien für den aktuellen Zustand der Wirtschaft im Land verantwortlich. Kein Wunder also, dass man sich in Eurokraten-Kreisen angesichts der trotzigen Regierung in Rom schnell einig war, Italien weiter zu isolieren und bei dem neuen EU-Rennen um Brüsseler Spitzenjobs auszuschließen.

Mit seinem anti-EU Kurs tritt Salvini inzwischen bei fast zwei Drittel der Italiener offene Türen ein. Denn in der Masse des Volkes scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass sich nach dem Ende der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) vieles zum Schlechteren verändert hat. Immer mehr Italiener geben daher die Schuld für den sozialen und wirtschaftlichen Niedergang ihres Landes den neuen Regeln und Vorschriften des neoliberalen Projekts der „Europäischen Union“ (EU). Letztere waren der italienischen Bevölkerung von den eigenen „Eliten“ mit schönen Versprechungen untergejubelt worden.

Mit Italiens Mitgliedschaft in der Währungsunion (Euro) wurde dann der Kurs in die Krise, Stagnation und Niedergang endgültig besiegelt. Denn das italienische Parlament musste sein Rechte bezüglich der Gesetzgebung in nationalen und internationalen Handelsfragen zum Wohl der italienischen und internationalen Finanzeliten an Brüssel abgeben. Damit nicht genug, auch in Fragen der Geldpolitik hat nicht mehr Rom, sondern Brüssel das Sagen. Inzwischen bestimmt Brüssel auch schon über viele wichtige Aspekte des Staatshaushalts, welches das vornehmste Recht eines jeden nationalen Parlaments ist.

Um die darniederliegenden regionalen Wirtschaftskreisläufe in den vielen Krisenregionen Italiens wieder in Gang zu bringen, plant die Regierungskoalition aus der rechts-konservativen Lega und der mitte-links stehenden Fünf Sterne Bewegung mit höheren Renten und Sozialausgaben und Aufträgen für die lokale Industrie den Konsum und die Wirtschaftsaktivitäten anzuschieben. Da die Regierung eine Steuererhöhung ausschließt, kann der Konjunkturplan nur durch neue Schuldenaufnahme finanziert werden. Dagegen aber sperrt sich die EU-Kommission, weil dadurch die sogenannte „EU-Schuldenbremse“ überschritten würde, die die jährliche Neuverschuldung mit maximal 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) begrenzt.

Unter Verweis darauf, dass die italienische Staatsverschuldung bereits auf etwa 135 Prozent des BIP angewachsen ist, – das ist mehr als doppelt so hoch wie die von der EU eingezogene Obergrenze von 60 Prozent des BIP – hat die EU-Kommission am vergangenen Mittwoch das bereits erwähnte Disziplinierungsverfahren gegen Italien eingeleitet, bei dem Rom eine Geldbuße bis zu 3 Milliarden Euro droht. Zugleich hat die Europäische Zentralbank ihre Käufe von neuen staatlichen Schatzbriefen der Italiener weitgehend eingestellt, was heißt, dass die EZB dabei ist, der Regierung in Rom den Euro-Geldhahn abzudrehen. Genau mit dieser Masche hatte die EZB einige Jahre zuvor in Griechenland die damals neue, linke Syriza-Partei in die Knie gezwungen.

Salvini scheint von dieser massiven Kriegserklärung aus Brüssel jedoch wenig beeindruckt. Vielmehr zeigt er sich fest entschlossen, eine alternative Parallelwährung zum Euro als Geheimwaffe gegen die EZB und Brüssel einzusetzen. In Griechenland hatte Yanis Varoufakis während seiner kurzen Zeit als griechischer Finanzminister 2015 eine ähnliche Strategie verfolgt. Aber angesichts der massiven, finanziellen „Endzeitdrohungen“ der Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) bekam er Angst vor seiner eigenen Courage. Er tat nichts und musste dann der Fledderung der griechischen Wirtschaft durch ausländische Schnäppchenjäger hilflos zusehen.

Aber Italien ist nicht Griechenland. Die Regierungspläne zur Einführung der neuen Parallelwährung zum Euro scheinen weit fort geschritten. Wenn die EZB der Regierung in Rom tatsächlich den Geldhahn zudreht, dann wird sie einfach eigene Schuldscheine, so genannte Mini-Bots, herausgeben. Mit diesen Mini-Bots will sie z.B. die Löhne und Gehälter staatlicher Arbeiter und Angestellter oder Rechnungen von Lieferanten bezahlen. Zugleich können Bürger und Unternehmen mit den Mini-Bots alle an den Staat zu leistende Zahlungen, z.B. Steuern begleichen.

Mit einem Kunstgriff kann man die Mini-Bots bei Bürgern und Unternehmen im Inland sogar besonders attraktiv machen. Ein Beispiel: Der Staat setzt den offiziellen Kurs von Mini-Bot zu Euro auf einen Verhältnis von 1 zu 1, d.h. ein Euro ist gleich ein Mini-Bot. Statt wie bisher 1000 Euro Monatslohn bekommt der Staatsdiener jetzt 1000 Mini-Bots. Zugleich gibt der Staat jedoch einen Preisnachlass, wenn er in Mini-Bots bezahlt wird. Wenn z.B. ein Unternehmen eine Steuer von 10.000 Euro bezahlen muss, braucht es bei einem Preisnachlass von 5 % nur 9.500 Mini-Bots zu zahlen.

Vor 10 Jahren hatte der US-Bundesstaat Kalifornien seine eigene Finanzkrise. Die Banken wollten ihm nur noch zu horrenden Zinsen Geld leihen. In der Not führte der Staat Kalifornien eine mit den Mini-Bots vergleichbare Parallelwährungen über einen Zeitraum von etlichen Jahren ein und machte gute Erfahrungen damit (3). Bei entsprechendem Preisnachlass war die Parallelwährung sogar ziemlich begehrt und ein reger, börsenartiger Handel entstand. Tatsächlich kann der Staat damit einen Teil seines Finanzbedarfs selbst decken und sich in Krisenzeiten unabhängiger von den Finanz- und Geldmärkten machen.

Da vor einem Jahr die Mehrheit der Italiener noch gegen einen Austritt Italiens aus dem Euro waren, seither aber viele ihre Meinung geändert haben, könnte ein Erfolg bei der Einführung der Mini-Bots den Weg für einen kompletten Ausstieg aus der Eurozone ebnen. Genau das befürchten viele Eurokraten, deren Experten sich alarmiert zeigen. „Sind die neuen Mini-Bots erst einmal im Umlauf, könnten sie schnell als Zahlungsmittel verwendet werden. Offenbar ist genau das, das Ziel der italienischen Regierung“, schrieb „Die Welt“ in ihrem bereits erwähnten Artikel und führte weiter aus:

„Würden sich Mini-Bots in der italienischen Wirtschaft verbreiten und würden sie von Firma zu Firma und Bürger zu Bürger weitergegeben, könnte der italienische Staat sein eigenes Geld schöpfen. Mit der Zeit würden die neuen Gutscheine am Markt gehandelt und zu einem (vermutlich niedrigeren) Kurs zum Euro notieren. Es wäre der Anfang eines schleichenden Ausstieg Italiens aus dem Euro“.

Die große Befürchtung der Eurokraten ist, dass bei einer Gesamtverschuldung von 2,3 Billionen Euro Italien über ein enormes Drohpotenzial gegenüber den europäischen Finanzmärkten verfügt. Obwohl der Großteil der italienischen Staatschulden inländische Schulden sind, würde eine Zahlungsunfähigkeit des Staates die europäischen Banken und Finanzinstitute extrem erschüttern. „Allein die Androhung einer Parallelwährung könnte die Euro-Zone destabilisieren“, heißt es daher weiter in „Die Welt“. 


Offen ist noch, ob Salvini tatsächlich die Mini-Bots-Parallelwährung zum Euro einführen will, oder ob die Mini-Bots nur als Drohmittel gegen das anstehenden Defizitverfahren der EU-Kommission eingesetzt werden sollen? Er könnte versuchen, damit die EU zu zwingen, ihre Regeln flexibler zu gestalten, was jedoch auf eisernen Widerstand aus Berlin treffen würde. Ebenfalls offen ist, ob Salvini für seine Mini-Bots-Pläne tatsächlich eine parlamentarische Mehrheit finden wird. Denn das erste zustimmende Abstimmungsergebnis im Parlament zu den Mini-Bots vor einer Woche hat keine bindende Gesetzeskraft sondern war nur eine Art unverbindliche Empfehlung an die Regierung.

Allerdings ist Euro-Gegner Claudio Borghi, der nicht nur Salvinis wichtigster Berater sondern der einflussreichste Wirtschaftsspezialist der Lega ist, einen glühender Kämpfer für die Einführung einer Parallelwährung in Italien. Berichten zufolge hat Borghi schon vor zwei Jahren gesagt, dass in dem Moment, in dem man entscheidet, aus dem Euro auszutreten, die Mini-Bots zum Bargeld der neuen Währung werden. Um den Euro-Exit zu erreichen, müsse man ihn nur „in einzelne Schritte zerlegen“, habe Borghi damals betont.

Unterstützung erhält Borghi von Alberto Bagnai, Präsident des Finanzausschusses im Senat von Rom. Borghi ist Präsident des Haushaltsausschusses im Unterhaus des italienischen Parlaments. Damit haben beide eine wichtige politische Plattform, auf der sie für ihre Vorschläge werben können.

Für die ohnehin nur noch dahin stolpernde EU sind die Entwicklungen in Italien weitaus gefährlicher als der drohende Exit der Briten

Quellen:

https://expertinvestoreurope.com/what-do-european-parliament-poll-results-mean-for-investors/
https://www.welt.de/wirtschaft/article194681747/Euro-Parallelwaehrung-Rom-macht-jetzt-seine-eigene-Geldpolitik.html
https://www.chelseagreen.com/2009/californias-ious-actually-a-cleverly-disguised-alternative-currency/
https://kenfm.de/tagesdosis-7-6-2019-steht-die-naechste-euro-krise-vor-der-tuer/







Freitag, 7. Juni 2019

Soldaten gegen Hochwasser - Leseprobe (12)


SOLDATEN FÜR DEN FRIEDEN (Teil zwölf)

Leseprobe aus „AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder“ im 70. Jahr der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949

Der Autor Harry Popow wurde 1936 in Berlin-Tegel geboren, wuchs in der DDR auf, arbeitete als Militärjournalist im Dienstgrad Oberstleutnant in der NVA und betätigt sich heute als Blogger, Buchrezensent und Autor. Er ist seit 1961 sehr glücklich verheiratet.

  1. Posten auf dem Damm


  2. Hochwasser im Norden der DDR. Die Deiche an der Oder/Neiße könnten brechen. Oder mutwillig zerstört werden. Die Armee muss sie schützen. Auch Henrys Zug muss ran. Henry hebt manches Schriftstück auf, so z. B. Briefe der Einsatzleitung der KKK-Schwedt/Oder an ihn, den Vorgesetzten: „An die Genossen Abschnittsleiter. Mit Kurier erfolgte die Auslieferung von 20 Fackeln für die Ausleuchtung des Deiches bei der Feststellung von Gefahrenstellen. Die Fackeln sind so im Abschnitt zu lagern, dass die Verwendung bei Gefahr sofort möglich ist. Die trockene Lagerung ist dabei zu berücksichtigen. Im Zuge der Information ist über die Lagerungsorte zu berichten.“ 2. Brief: „Gemäß gegebener Weisung war bis zum 13.7.58 ein Plan über die im Abschnitt vorhandenen Materialien für die Deichverteidigung zu erarbeiten ... Welche Reservekräfte stehen den Abschnittsleitern zur Verfügung? (Insassen von Internaten, Lehrlingsheime, Erntehelfer, Bevölkerungsteile usw.) (...) Die gegenwärtige Kampfaufgabe, Schutz unseres Kreises vor den Wassermassen der Oder, fällt in der Zeit der Durchführung des V. Parteitages der SED. Die Lösung der schweren Aufgabe zur Abwendung einer Katastrophe muss verbunden werden mit der Information über die großen Perspektiven des sozialistischen Aufbaus in der DDR. Das Studium der Dokumente des V. Parteitages muss deshalb durch die rechtzeitige Bereitstellung der Parteipresse gewährleistet sein. B., Oberleutnant der VP.“

    Ein Brief von seiner Mutter, der Henry wieder einmal traurig stimmt:
    „Immer noch keine Post von Dir. (...) Meine Arbeit ist nicht schwer, aber die Menschen um mich machen es mir unerträglich schwer. Ich werde schief angeguckt, viele grüßen mich nicht - man gibt mir zu verstehen, dass ich eine ‚Fremdkörper‘ bin. Nur der Kaderleiter sagt mir ‚durchhalten, Kopf hoch‘. Seelisch leide ich aber sehr, da ich, welche seiner Zeit in Pommern im Jahre 1943-44 ohne Zögern Kriegsgefangenen Nachrichten aus Moskau hören ließ, und am Rande der Vergasungsbunker in einem KZ nur durch Zufall vorbeigegangen bin - alles um eine neu, besseres Deutschlands willen, heute nach 13 Jahren Sieges über den Faschismus, werde ich in einem rein Deutschem Unternehmen wie eine Ostarbeiterin im Jahre 1942 behandelt. (...) Es sind natürlich nur bürgerliche Kräfte, aber deren sind viele.“
    Goethes „Faust“. Ein Reclamheft. Zerfleddert in Henrys Gesäßtasche. Auf dem Weg vom Mittagessen zur Baracke, wo seine Kompanie untergebracht ist, fragt er den „Polit“ des Bataillons, ob man eigentlich in der Armee auch schöpferisch arbeiten könne. Henry giert nach einem kleinen Rat, wie man irgendwie dem mitunter stubiden Dienst entrinnen könne, vielleicht wollte er aber nur ein ganz normales Gespräch anknüpfen, vielleicht auch ein wenig provozieren, doch mit einer befriedigenden Antwort hatte er ohnehin nicht gerechnet. Mit dem „ja, ja, im Allgemeinen schon“ des Hauptmanns kann Henry nichts anfangen, und er schwört sich, so schwerwiegende Fragen zukünftig besser für sich zu behalten. Er will selbst etwas schreiben, aber zu verschwommen sind seine Vorstellungen, zu gering seine Erfahrungen. Und doch - ein Drama vielleicht? Er macht sich Notizen. So ein Titel wäre nicht schlecht, würde seine Situation charakterisieren: „Roberto oder die Rebellion des Geistes“?

  3. Wieder in Pinnow. Ein Sonnabend. Es ist spät am Abend. Henry ist Wachhabender. Im Objekt ist es ruhig. Muße, etwas zu schreiben. Vor kurzem las er das Buch „Das illegale Gebietskomitee arbeitet“. Hat ihn stark beeindruckt. Doch ihn beherrscht eine freudige Überraschung. Zugführer werden gesucht, die mehr Schwung in die sportliche Ausbildung bringen sollen. Sie werden fit gemacht in einem achtwöchigen Sportlehrgang. Und der findet in Plauen statt. Henry meldet sich, ja, da ist er dabei. Sonst kann ihm der Sport eigentlich gestohlen bleiben, aber unter diesen Umständen – Cleo wiederzusehen? Nichts wie hin. Seit einem halben Jahr hatte er ihr nicht mehr geschrieben. Er wird viel mehr Zeit für sie haben, denn er steht nicht mehr unter Druck wie als Schüler. Die Lehrgangsdauer, so erfährt Henry, erstreckt sich vom 07.10. bis zum 06.12.58. Henry hat über diese Zeit nichts festgehalten in seinem Tagebuch, aber er erinnert sich, es war sehr lehrreich. Sechs Stunden Sport pro Tag, mal Theoretisches, mal praktische Übungen. Das Spitzenereignis: Ein Abfaller Rückwärts ins Schwimmbecken vom Dreimeterbrett.


Zum Inhalt
Ausgangssituation ist Schweden und in Erinnerung das Haus in Berlin Schöneberg, in dem die Ziebells 1945 noch wohnen. Der Leser erfährt zunächst, wer die Eltern waren (seine Mutter stammt aus Moskau), berichtet kurz vom Evakuierungsort 1943/44 in Pommern, von der Rückkehr in das noch unter Bombenhagel liegende Berlin (Schöneberg), von den Eindrücken nach Kriegsende und vom Einleben in der neuen Gesellschaft, dabei auch von einer Begegnung der Jungen Pioniere mit Wilhelm Pieck.

Die Lehrzeit wird skizziert mit der Arbeit im Zwickauer Steinkohlenrevier, mit Tätigkeiten in der Geologischen Kommission der DDR und mit dem Besuch der Offiziersschule der KVP/NVA in Erfurt und in Plauen, wo er seine spätere Frau kennenlernte.

Wie lebt ein junger Offizier in der Einöde im Nordosten der DDR, welche Gedanken und Gefühle bewegen ihn? Darum geht es in den nächsten Aufzeichnungen seiner Impressionen. Seine Träume führen ihn mitunter weg vom Kasernenalltag und so nimmt er die Gelegenheit wahr, für fünf Monate im Walz- und Stahlwerk Eisenhüttenstadt als einfacher Arbeiter tätig zu sein.

Durch Versetzungen gelangt er nach Potsdam. Dabei kommen Querelen des Alltags als Ausbilder und später als Politoffizier nicht zu kurz. Ein Glücksfall für ihn, als er nach Neubrandenburg in einen höheren Stab als Redakteur berufen wird. Er beginnt ein Fernstudium als Diplomjournalist an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Inzwischen ist er längst glücklich verheiratet. Die Höhen und Tiefen eines Militärjournalisten – die zwingen ihn, vieles neu zu überdenken. Vor allem als einstiger Ausbilder gelingt es ihm, die Probleme der Soldaten immer besser zu verstehen und sie bildhaft zu schildern.

Die spätere Arbeit als Abteilungsleiter in der Wochenzeitung „Volksarmee“ macht ihm nicht nur Spaß, er nimmt auch Stellung gegen Ungereimtheiten, was ihm nach der Entlassung aus dem aktiven Armeedienst und der Tätigkeit als Journalist im Fernsehen der DDR nicht nur böse Blicke einbringt. So fährt er im September 1989 seiner Tochter nach Ungarn hinterher, um herauszukriegen, weshalb sie mit ihrem Partner abgehauen ist; er gibt ihr dabei das Versprechen, sie in keiner Weise als Tochter zu verurteilen. Nach seiner Rückkehr wird er mit einer Parteistrafe gerügt, die Wochen später angesichts der vermeintlichen Verstöße und Fehler durch die Politik nicht mehr relevant scheinen und wieder gestrichen wird. Auf Unverständnis stößt er auch bei seinen Mitarbeitern, als er nach der Teilnahme an der Dokumentarfilmwoche1988/89 in Leipzig angeblich nicht die erwarteten Schlussfolgerungen zieht.

Nach der Wende: Versuche, arbeitsmäßig Fuß zu fassen, u.a in Gran Canaria und in einer Steuerfirma. Die Suche nach Alternativen, günstiger zu wohnen, sowie die Sehnsucht nach Ruhe führt das Ehepaar nach Schweden.

Episoden aus dem Dorfleben und von vielen Begegnungen, so z.B. bei der Geburtstagsfeier einer siebzigjährigen Schwedin, machen den Alltag und die feierlichen Momente in der „Stille“ nacherlebbar. Keine der in der DDR erlebten Widersprüche und politischen Unterlassungssünden wirft den überzeugten Humanisten aus der Bahn, wogegen die Kapitaldiktatur mit ihren hörigen Medien, politische Manipulationen und Lügen im angeblich so demokratischen Deutschland ihn aufbringen – er bleibt ein Suchender!

Harry Popow: AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten. © Copyright by Harry Popow, Verlag: epubli, Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Erscheinungsdatum 18.02.2019, ISBN: 9783748512981, Seiten: 500, Preis: 26,99 Euro




https://www.epubli.de//shop/buch/AUSBRUCH-AUS-DER-STILLE-Harry-Popow-9783748512981/83705?