Freitag, 15. Dezember 2017

Kleiner Parteitag der Widerständigen


Es gibt sie noch, interessante Kultur in Deutschland


VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 15. DEZEMBER 2017

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Am gestrigen Donnerstag fand im Berliner Kino Babylon die fünfte Verleihung des von der NRhZ verliehenen Kölner Karlspreises statt.

Im Vorfeld der dem Journalisten Ken Jebsen zugedachten Auszeichnung hatte der von der Mossad-Fraktion der Linkspartei gestellte Kultursenator Klaus Lederer Druck auf das teilweise mit Senatsgeldern finanzierte Kino gemacht, das Kino als Ort für die nach dem berühmten Kölner Journalisten Karl Marx benannte Preisverleihung zu kündigen. Und hinter ihm stand eine ganz große Empörungswelle der herrschenden Mafia: Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, Aluhutträger, Querfrontler, Israel-Hasser – solche Menschen können unmöglich Raum bekommen, um jemanden feierlich einen Preis zu verleihen. Und das Babylon beugte sich prompt dem Druck und kündigte die Räume.

Wo käme man denn da hin, wenn in der Kultur den Herrschenden nicht genehme Meinungen äußern dürften. Man stelle sich nur mal vor, in der Kultur könnte jemand die geliebten Freunde aus Übersee einfach so eine terroristische Bande von Angriffskriegern nennen und 9/11 als Inside-Job bezeichnen, die herrschende Ideologie des Zionismus schmähen oder Gotteslästerung gegen die Überhöhung des Holocausts zum quasi-religiösen Popanz betreiben. Nicht auszudenken. Es ist klar, dass da die Wellen hochschlagen. Kunst und Kultur hat schließlich die Aufgabe, die herrschende Macht in ein positives Licht zu stellen, und sie, wenn überhaupt, dann allenfalls so zaghaft zu kritisieren, dass die Kritik denn auch gleich als Lob verstanden würde, dass es nichts wirklich wichtiges zu kritisieren gibt.

Richtige Kultur ist schließlich, wenn man sich zu Tode langweilt, aber trotzdem hingeht, um dagewesen zu sein. Bloß keine Inhalte und nichts zum Nachdenken. In einer Zeit vor der großen Gleichschaltung von Medien, Kunst und Kultur war das freilich einmal anders. Leute wie Schiller, Marx und Brecht standen zu ihrer Zeit mal für eine Parteinahme in spannenden historischen Auseinandersetzungen. Aber wer weiß das schon noch?

Der Parteivorstand der Linkspartei hat dann auch noch mit Mehrheit einen Vorstandsbeschluss gefasst, indem er dem Senator Lederer den Rücken stärkte bei seinem Versuch, inakzeptable Kultur wie die Verleihung des Kölner Karlspreises an Ken Jebsen zu verhindern. Andere führende Mitglieder der Linkspartei haben allerdings deutlich gemacht, dass sie solcherart Kulturzensur für falsch halten. Dazu wurde dann noch eine Demo für die Kulturfreiheit vor dem Babylon und eine Demo gegen die Freiheit der Kultur, der herrschenden Macht missliebige Dinge sagen zu dürfen, organisiert. Und dann hat ein Berliner Amtsgericht auf Antrag der Veranstalter eine einstweilige Verfügung erlassen, dass das Babylon den Vertrag über die Durchführung der Veranstaltung einzuhalten hat und politischer Druck von oben kein guter Grund für einen Vertragsbruch ist. Herrlich, könnte es bessere Werbung dafür geben, dass in einer Kulturverstaltung mal was anderes als gähnende Langeweile – wie sie etwa in der Volksbühne gegenüber praktisch allabendlich zelebriert wird – zu erwarten ist?

Die Bühne war bereit. Kurz vor der Veranstaltung kamen dann noch Gerüchte auf, Ken Jebsen würde den Preis überhaupt nicht annehmen wollen, sich aber auf der Demo vor dem Babylon dafür aussprechen, dass die Veranstaltung stattfinden darf. Das machte die Geschichte eigentlich nur noch spannender. Und so war es dann auch.

Die Demo für die Kulturfreiheit vor dem Babylon besuchten ein paar Hundert Menschen, während rund ein Dutzend Gegendemonstranten der Mossad-Fraktion der Linken 100 Meter weiter mit plärrender Musik versuchten, die Rede des langjährigen linken Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrcke zu stören. Nasskalt war es, aber es tat der Stimmung keinen Abbruch. Ebensowenig konnte das anschließend die Schikane des Babylon, das Personen mit Kamera den Eintritt verbot, und dazu erklärte, Kameras sollten die Besucher eben in umliegenden Kneipen oder Restaurants abgeben, damit die Veranstaltung nicht gefilmt oder fotografiert werden kann. Als dann um halb sieben Timothy Grossman, der Betreiber des Babylon, eine kurze Ansprache hielt, und dabei einen zur Preisverleihung eingeladenen Musiker, Gilad Atzmon, als Rassisten beschimpfte und ihm Hausverbot erteilte, war die Stimmung perfekt. Das Publikum war hellwach und buhte ihn aus, obgleich sich mancher gefragt haben mag, ob der Auftritt nicht vielleicht doch zum Programm der Veranstalter der NRhZ gehörte.

Anneliese Fikentscher übernahm dann und bat die Besucher, die es geschafft hatten, eine Kamera ins Babylon einzuschmuggeln, der NRhZ Kopien der Aufnahmen zur Verfügung zu stellen. Ullrich Mies löste sie dann, verkleidet als NATO-General, der die kriegerische Eroberung von Russland plant, mit einer Ansprache zur westlichen Kriegspolitik und der damit einhergehenden Mediengleichschlatung ab. Von Daniele Ganser gab es ein kurzes per Videobotschaft eingespieltes Grußwort. Dass Ken Jebsen zur Preisverleihung nicht erschienen war und auch sein Laudator Matthias Bröckers aufgrund eines familiären Todesfalles verhindert war, störte nicht, denn die von Matthias Bröckers vorbereitete Laudatio auf Ken Jebsen wurde einfach verlesen. Und klar wurde dabei schon, dass, wer als Journalist, Publizist oder Künstler den gleichen Leuten, die mit Märchen wie der Brutkastenlüge und Massenvernichtungswaffen im Irak reihenweise Angriffskriege begründet haben, ihre Geschichte von 9/11 nicht abnimmt, mit beruflicher Existenzvernichtung zu rechnen hat.

Und dann kam Evelyn Hecht-Galinski, Trägerin des Kölner Karlspreises 2016. Sie sah schwach aus auf den Beinen, hatte aber starke und deutliche Worte übrig zum „Israel“ genannten rassistischen Apartheidregime über Palästina und seinen mächtigen Lobbyisten in der westlichen Welt. Und sie kündigte dann, Hausverbot hin oder her, Musik von Gilad Atzmon an. Die Spannung stieg. Würde Gilad Atzmon den Holocaust beleidigen? Nein, er tat es nicht und appellierte stattdessen an das deutsche Schuldgefühl, die Palästinenser als letztes Opfer des deutschen Nazi-Regimes gegen das zionistische Besatzungsregime zu unterstützen.

Klaus Hartmann lieferte anschließend noch eine Menge zur westlichen Angriffskriegsserie und den sie begleitenden massenmedien Lügen und Gleichschaltungen, bevor Wojna von der Bandbreite ein paar Worte sagte. Es herrscht in Deutschland schon längst wieder Faschismus. Faschisten, die reihenweise Angriffskriege starten und Medien und Kultur so gleichschalten, dass die Leute davon genausowenig mitbekommen wie viele es 1933 nicht mitbekommen haben, sitzen längst wieder an den Schalthebeln im Zentrum der Macht. Und drei Schlüssellieder der Bandbreite sang er auch: Selbst gemacht, Was ist los in diesem Land und Brechts Einheitsfrontlied. Ja, es gibt sie noch, interessante Kultur in Deutschland – auch wenn das dem herrschenden Faschismus der Mossad-Fraktion und der NATO-Imperialisten überhaupt nicht passt.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/12/15/es-gibt-sie-noch-interessante-kultur-in-deutschland/



Private Anmerkung von Harry Popow: Ich war dabei. Draußen und drinnen. Klare Worte zu Krieg und Kriegsgefahr, Rüstung und Lügenmedien. Überraschend viele Kundgebungsteilnehmer, erst recht im Babylon. Beifall über Beifall für für treffgenaue Argumente, für Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. Gestern in der „jungen Welt“: Die Autoren Daniel Bratanovic und Sebastian Carlens geben sich der Diffamierungsorgie hin und bezeichnen den Titel Neue Rheinische Zeitung als anmaßend. So beschmutzt sich die Zeitung selbst. Man merkt nicht, dass die Macher der NRhZ viel näher bei Marx ...