Montag, 15. Januar 2018

Um Aufrüstung und Kriegsvorbereitung


Weltkriegsvorbereitung


Lucas Zeise zum deutschen Mythos von Europa
Ausgabe vom 12. Januar 2018


Die Her­ren Schulz und Ga­bri­el wol­len Eu­ro­pa zum ei­gent­li­chen Zweck der neuen deut­schen Re­gie­rung ma­chen. „Es ist Auf­ga­be der SPD, die zen­tra­le Rolle Deutsch­lands bei der Ge­stal­tung Eu­ro­pas an­zu­mah­nen und den fort­schritt­li­chen Kräf­ten in Eu­ro­pa die Hand zu rei­chen.“ So for­mu­lier­te der SPD-Par­tei­vor­stand, um den De­le­gier­ten des Par­tei­ta­ges den Weg in eine er­neu­te Ko­ali­ti­on mit der CDU/CSU schmack­haft zu ma­chen. Schulz kün­dig­te sogar an, er wolle die EU bis 2025 in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Eu­ro­pa um­wan­deln. Das soll kühn wir­ken, was es ja auch ist.

Die SPD be­nutzt Eu­ro­pa als Recht­fer­ti­gung für eine un­ge­lieb­te Re­gie­rungs­be­tei­li­gung. Noch scheint die EU so be­liebt bei einem Teil des Vol­kes, dass die Par­tei glaubt, das könn­te funk­tio­nie­ren. Zur Recht­fer­ti­gung der EU wird das große Thema Frie­den her­bei­ge­zau­bert. Am bes­ten wuss­te Hel­mut Kohl die „Er­zäh­lung“ zu prä­sen­tie­ren, dass die Eu­ro­päi­sche Union den Völ­kern Eu­ro­pas den Frie­den ge­schenkt habe. Zu­sam­men mit François Mitter­and, dem so­zia­lis­ti­schen Prä­si­den­ten Frank­reichs, stell­te er das Händ­chen hal­tend in Ver­dun auch in einem Steh­bild dar. Schon den bei­den Haupt­dar­stel­lern sah man da­mals an, dass es sich bei die­sem My­thos um Po­lit­kitsch han­delt. Die Eu­ro­päi­sche Union (vor­mals Wirt­schafts­ge­mein­schaft) ist wie die NATO ein Kind des Kal­ten Krie­ges. Die lange Pe­ri­ode von 1945 bis 1998 ohne Krieg in Eu­ro­pa ist eben­falls Pro­dukt die­ser Kon­stel­la­ti­on, die die im­pe­ria­lis­ti­schen Mäch­te ver­an­lass­te, nicht nur auf den Krieg un­ter­ein­an­der zu ver­zich­ten, son­dern auch öko­no­misch ein Stück weit zu ko­ope­rie­ren, um den So­zia­lis­mus ein­zu­däm­men und zu­rück­zu­drän­gen.

Die Zeit des er­zwun­ge­nen Frie­dens zwi­schen den Im­pe­ria­lis­ten ist seit 1990 vor­bei. Haben wir es mit einem Wun­der zu tun, wenn wir fest­stel­len, dass die alten im­pe­ria­lis­ti­schen Staa­ten auch heute noch un­ter­ein­an­der Frie­den hal­ten und Krieg und Sub­ver­si­on aber nur zur Un­ter­wer­fung neuer Ri­va­len oder un­bot­mä­ßi­ger Re­gie­run­gen aus der frü­he­ren 3. Welt ein­set­zen? Der am Ende des 2. Welt­krie­ges unter Füh­rung der USA or­ga­ni­sier­te „Wes­ten“ be­steht nach wie vor. Die EU, ob­gleich öko­no­misch schärfs­ter Kon­kur­rent der USA, wird von die­sen nicht be­kämpft. Sie to­le­rie­ren auch wohl­wol­lend die füh­ren­de Rolle, die der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus in der EU spielt. Das EU-Re­gime des frei­en Ka­pi­tal­ver­kehrs und des Wett­be­werbs der Staa­ten un­ter­ein­an­der ist für die deut­schen Kon­zer­ne von un­schätz­ba­rem Wert. Um­ge­kehrt stellt Deutsch­land die füh­ren­de Rolle der USA in­ner­halb des „Wes­tens“ nicht in Frage. Auch der von Prä­si­dent Trump unter der Pa­ro­le „Ame­ri­ca first!“ mit einer Steu­er­re­form an­ge­kün­dig­te Han­dels­krieg ist nach der In­ter­ven­ti­on der EU-Eu­ro­pä­er un­ter­blie­ben. Die Auf­re­gung über ein Ende des trans­at­lan­ti­schen Neo­li­be­ra­lis­mus war ver­früht.

Mi­li­tä­risch läuft alles wie von lan­ger Hand ge­plant: Im Ziel, ver­stärkt auf­zu­rüs­ten und Russ­land zu be­dro­hen, sind sich alle Sei­ten einig. Auch die Krie­ge gegen und in Af­gha­nis­tan, Li­by­en, Sy­ri­en und Nord­afri­ka wer­den ge­mein­sam ge­plant und ar­beits­tei­lig be­trie­ben – wenn auch nicht immer ge­won­nen.

Fried­rich En­gels hat vor 130 Jah­ren die Lage in Eu­ro­pa be­schrie­ben und den Welt­krieg er­staun­lich prä­zi­se vor­her­ge­sagt, der 26 Jahre spä­ter be­gann. Auch heute geht es um die Welt­herr­schaft. Die eu­ro­päi­schen Im­pe­ria­lis­ten, vor allem Deutsch­land, ste­hen dabei fest an der Seite der USA, deren Do­mi­nanz von Russ­land, vor allem aber dem öko­no­misch immer stär­ker wer­den­den China in Frage ge­stellt wird. Der drit­te Welt­krieg wird vor­be­rei­tet.