Freitag, 18. November 2016

Reisebilder von Userin J.D.

(I) Reisebilder der J.D.


(Eine Userin berichtet)

Ostsee

Bin nun von der Ostsee wieder zurück und habe die Natur, das Meer so richtig genossen. Die Stadt und das Kurviertel haben sich weiter verändert, nur nicht positiv. Es wurden viele neue Ferienvillen gebaut, Natur zerstört und alte Kurvillen werden schließen. Jetzt wird auch noch ein 12-geschossiger Hotelbau hochgezogen – fürchterlich - aber das viele Geld der Investoren muss ja untergebracht werden, egal wie, das ist ja auch aus anderen Ländern bekannt. Ich war auch das erstemal im Museum in Peenemünde, das wirst Du sicher kennen. U.a. war aus den Biografien einiger SS- Leute ersichtlich, dass sie zu lebenslanger Haft verurteilt wurden und nach schon vier Jahren wieder freikamen und in hohe Ämter eingesetzt wurden, aber das war uns ja auch bekannt. Was soll man zur gegenwärtigen Situation sagen. Die Sünden des Raubkapitalismus schlagen nun zurück.



Irland


Seit einigen Tagen bin ich nun schon aus Irland zurück und es war eine sehr schöne, informative und erlebnisreiche Reise. Wir sind von Dublin nach Dublin über die ganze Insel 2000 km gefahren. Das Land ist sehr sehr grün. viele Torflandschaften, auf denen ca. 10 Mio Schafe ohne Ställe weiden, aber auch viele Rinderherden, da es wegen des Golfstroms im Winter keine Minusgrade gibt. Man konnte weit ins Land schauen und im Hintergrund auch viele Berge und bis zu ca. 100 m abfallende Berge zum Meer.

Irland ist ein überschaubares Land mit 4,5 Mio Einwohnern und hat 800 Jahre eine englische Kolonialzeit übelster Art erlebt. Riesige
Waldflächen wurden gerodet und nicht wieder aufgeforstet. Die Menschen wurden wegen geringster Vergehen zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteil. Der herrschende englische Adel hat sich riese Burgen und Schlösser bauen lassen. Die Konflikte gehen bis in die Neuzeit und die Probleme sind durch gegenseitige Kompromisse zwischen Nordirland und Irland seit einigen Jahren z.T. befriedet. Unter der Bankenkrise 2008 hat Irland eine mächtige Talfahrt gemacht. Trotz Erhöhung der Steuern (Mwst. 23 %, Alkoholsteuer 50 %) Senkung der Löhne und Erhöhung der Preise. So hat sich das Land wirtschaftlich immer noch nicht richtig erholt. Monatlich verlassen Tausende junge Iren die Heimat weil sie keine Arbeitfinden. Das merkt man auch an vielen leerstehenden Wohnungen und Häuser. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die Menschen zufriedener als bei uns sind. Ich glaube, dass sie ihr Geld nicht für Firlefanz ausgeben, sondern lieber in den Pub gehen, um sich zu erfreuen. Durch die internationalen Ketten ist natürlich auch ein Überangebot vorhanden. Trotzdem ist alles solider als bei uns, was mir sehr gefällt.

Nun zu einigen Highlights: Besuch einer Tropfsteinhöhle, Theaterbesuch (nationales Volkskunstensemble), Schifffahrt, Bootsfahrt mit ganz naher Sicht eines Delphins, Windhundrennen, Pubbesuch, Besuch von Schlössern und Burgen, Übernachtung in einem Schloß voller Plüsch, Kutschfahrt, Kurzbesuche in vielen Städten. Besichtigung eines Schiffes in Kork mit dem 1,5 Mio Iren vor der Hungersnot (fünf Mio Iren sind verhungert)1845 bis 1850 (Kartoffelpest) unter unvorstellbaren Bedingungen nach New York geflohen sind. Auch der Urgroßvater von Kennedey. Dort hat die Familie ein Memorial entstehen lassen. Von bisherigen 44 US-Präsident haben 32 irische Wurzeln. Dieser Besuch war für mich und die anderen sehr emotional.

Krim

Historisch gesehen gehörte die Krim über 200 Jahre zu Russland. Chruschtschow hat 1954 aus ökonomischen Erwägungen ohne die notwendige Zustimmung des obersten Sowjets in Moskau und Kiew, sondern nur mit Zustimmung der Präsidien, die dazu nicht legitimiert waren, die Krim der Ukraine gegeben. Was heißt Verstoß gegen das Völkerrecht? Das erfolgt insbesondere durch die USA, ohne dass das Land bedroht wird und wurde. Hinterlassen wird bei den Einmischungen nur politischer und ökonomischer Ruin. Auf dem Maidan waren 82% der Bevölkerung nicht beteiligt und die Demonstranten teilweise mit Rechtsextremisten durchsetzt, die mit Milliarden Dollar von außen unterstützt wurden. Russland wird permanent bedroht und zum Hauptfeind erklärt. Überall werden Stützpunkte installiert, bei der Polen und die baltischen Länder auch eine unrühmliche Rolle spielen neben anderen Konflikten im Süden. Auf der Krim leben ca. 60 % Russen, 25 % Ukrainer. Bei dem Referendum betrug die Wahlbeteiligung 83,1 %, 96,77 % haben sich für den Anschluß an Russland entschieden. Das passt natürlich nicht ins Konzept und wird daher nicht akzeptiert. Auf der Krim hat Russland einen wichtigen strategischen Stützpunkt in Sewastopol mit der Schwarzmeerflotte. Der Pachtvertrag für Sewastopol wäre 2017 ausgelaufen. Der wäre von der Ukraine sicherlich nicht verlängert worden. Auch aus dieser Sicht hatte Russland keine andere Wahl. Nun geht das Theater gegen die Krim mit üblen Verdächtigungrn wieder los.
Die Olympiade war ja auch ein gutes Podium, um Russland den schwarzen Peter zuzuschieben, hinter dem sich die anderen Popingländer verstecken können. Irritation traten schon vage auf bei manchen Fabelzeiten der Schwimmer. Die olympische Idee ist sowieso verkommen, 10 % aller Länder haben nur eine Chance, eine Medaill zu gewinnwn, die teilen sich die reichen Länder auf, die übrigen durften nur Zaungäste sein, Olympia sollte man abschaffen , so viel Korruption, Vergäudung von materiellen und finanziellen Mitteln. 80.000 Sicherheitskräfte mussten die Eröffnungfeier absichern, doppelt soviel Kosten wie in London. Es gerät alles immer mehr in Schieflage...

Weimar



Kürzlich war ich in Weimar, es zieht mich immer mal wieder in diese Stadt der Klassik, der Dichter und Denker, mich, eine Bewunderin Goethes. Offen war für mich noch der Besuch der Anna Amalia Bibliothek, wo nach dem Brand von 2004 unwiederbringliches zerstört wurde. Noch immer warten 60.000 Bücher auf seine Restauration, verteilt auf viele Länder. 56.000 Bücher und Grafiken haben Ruß- und Rauchschäden, 37.000 Bücher Wasser- und Hitzeschäden, 25.000 Aschebücher, 50.000 Bücher Verlust (u.a.ein besonderes, aus dem 8. Jahrhundert, 28.000 Bücher sind unversehrt geblieben. Besuch des Sommerschlosses Tieffurt von Anna Amalia, wo auch Goethe oft weilte, aber ansonsten nichts besonderes. Wir wollten auch das Sommertheater besuchen, fiel aber wegen Regen aus. Besuch des Historischen Friedhofs, der Grabstääte der Fam. Goethe, wo u.a. seine Schwiegertochter und seine drei Enkel begraben sind. Die Grabstätte ist in einem beschämenden Zustand. Man hat nicht mal das wenige Geld, um diese zu pflegen, geschweige zu restaurieren. Armes Kulturland Deutschland, ansonsten sprudeln nur so die Milliarden. Die Grabstätte seiner Frau Christiane Vulpius ist auf einem anderen Friedhof, völlig unbedeutend mit Efeu bewachsen und einem kleinen Gedenkstein-stein. Interessant ist die Sonderausstellung im Weimarer Stadtmuseum zur Bildung der Weimarer Republik und seiner Verfassung, mit originalen Tonaufnahmen und vielen Fotos und Dokumenten. Die kommunistische Partei hat dies nicht mitgetragen aber es wird natürlich nicht das Warum erwähnt, das ist eben die "objektive" Geschichtsschreibung. Außerdem besichtigten wir eine Ausstellung über die bekannte Uhrenproduktion in Weimar mit 2000 Mitarbeitern zu DDR - Zeiten und einer üblen Abwicklung (nach Aussage einer Museumsmitarbeiterin) 1990.
Nach meinem letzten Besuch haben sich die Shopping- und Gastronomiemeile weiter vergrößert und die Eintrittspreise für Kulturstätten erhöht. So ist das eben!

Bulgarien



Ich habe an der Friedensdemo in Berlin teilgenommen, Du hast ja darüber auch geschrieben. Es macht etwas Zuversicht, dass die Menschen so langsam verstehen wohin der Hase läuft.

Nun zu Bulgarien: Es war eine Reisegruppe von Mitgliedern und Sympathiesanten der GBM und hervorragend vorbereitet und organisiert.
Ich bin als Neuling dort sehr gut aufgenommen worden und habe mal wieder echten Gemeinschaftsgeist empfunden.

Bulgarien ist mit ca. 7.5 Mio Einwohnern ein Agrarland. Die Wende 1989 wurde so vollzogen, dass die LPG ´s aufgelöst wurden und den
Bauern ihr privates Land zurückgegeben wurde, sie aber keine Maschinen hatten. So mussten sie wieder mit Pferd und Pflug anfangen und
es gab sehr große Probleme. So standen die Bauern unter großem Druck und haben an in- und ausländische Pächtern mit schlechten Konditionen ihr Land abgetreten. Ausländische Investoren kamen dann, um sich die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Es wird auch Monokultur betrieben und hauptsächlich sollen Mais und Sonnenblumen angebaut werden. Getreide hat auf dem Weltmarkt einen niedrigen Preis. Die Ackerflächen machten aber einen guten Eindruck. Handelsketten wie Kaufland oder Lidl sieht man kaum. Auf der Autobahn kommen alle 100 m mal ein PKW oder auch mal ein LKW.

Die Dörfer machen einen traurigen Eindruck. Viele verlassene und in schlechtem Zustand befindliche Häuser, weil es keine kaum nennenswerte Arbeitsangebote gibt. Die Arbeitslosigkeit beträgt ca. 30 Prozent. Die Gebiete am Schwarzen Meer setzen auf Tourismus als notwendige Einnahmequelle und haben durch die Probleme in der Türkei wieder mehr Zuspruch. Am Goldstrand haben ausländische Investoren die alten Hotels abgerissen und riesige Klopper hingebaut und Ballermann, ähnlich wie Mallorca das gemacht hat. Am Strand steht ein Eifelturm! Die Bulgaren setzen alles daran, um die Urlauber zufrieden zu stellen was ich mit Unwohlsein empfand. Ein überreichliches Essenangebot, Getränke, alles was das Herz begehrt (all inclusive) für wenig Geld. Eine sehr umsichtige und gute Bedienung, verbunden mit viel Freundlichkeit. Die Löhne sind niedrig, 1.200 EU ist schon ein Spitzenverdienst. Ja es ist immer wieder das gleiche kapitalistische Strategiespiel: Ausbeuten, verdrängen und Maximalprofit erzielen.



Russland


Hallo Harry, ich sende Dir hiermit ein paar Informationen zu Russland nach den Wahlen. Der Vortrag war gut und sehr breit angelegt, so dass ich nicht alles aufgeschrieben habe. Die Wahlen fanden am 16. September statt und die internationalen Beobachter mussten bestätigen, dass die Wahlen weit geordneter abgelaufen sind als zuvor. Leider betrug die Wahlbeteiligung nur 47,88 %, in Moskau nur 35 %. Warum, das konnte nicht klar beantwortet werden. Stärkste Partei wurde die Partei Einiges Russland mit absoluter Mehrheit von 54,2 % und 450 Abgeordneten, das beträgt einen Zuwachs von 4,9 % zu den letzten Wahlen. Zweitstärkste Partei wurde die Kommunistische Partei KPRF mit 13,3 % mit Stimmenrückgang von 5,9 % und die LDPR (liberal-demokratische Partei) mit 13,1 % und einem Zuwachs von 1,4 %. Für den Zugang zum Parlament wurde die Hürde von 7% auf 5 % gesenkt. 77 Parteien waren zugelassen. Auf überzogene Wahlpropaganda wurde weitgehend verzichtet. Die russische Gesellschaft ist noch kein ganzheitlicher Staat. Russland hat gegenwärtig einen oligarchischen Staatskapitalismus. Es besteht Abhängigkeit von den Banken und dem Finanzkapital. Die Schere zwischen Arm und Reich ist gross, 10 % besitzen 90 % des Reichtums wie fast überall. Die eigene Industrie ist noch unterentwickelt, aber das Land besitzt noch große Naturreichtümer (Bodenschätze u.a.). Das ist natürich dem Westen ein Dorn im Auge, um nach ihren Vorstellungen diese auszubeuten. Das ist auch der wesentlichste Grund der Hetzkampagnen. Die Sanktionen haben auch ihre negativen Auswirkungen und schon wieder schreit man nach neuen Sanktionen.

Wie wird es weitergehen ? Wie wird der neue amerikanische Präsident sich zu Russland stellen ? Nun, wir werden abwarten.

Viele Grüße von J.D.