Samstag, 30. Januar 2016

Kapitalistische Frauenfeindlichkeit

Sexuelle Übergriffe, “Islamisierung” und die Arbeiter/innen/bewegung

VERÖFFENTLICHT VON LINKEZEITUNG ⋅ 30. JANUAR 2016


Textauszug:
(…)
Eine Arbeiter/innen/bewegung, die wirklich die Interessen der einheimischen wie der migrantischen Lohnabhängigen vertritt, muss eine ganz andere Haltung einnehmen. Sie darf nicht zur Verharmlosung und Verschleierung beitragen, sondern muss Probleme offen und direkt ansprechen. Sie muss die Vorreiterin von Frauenrechten sein. Sie darf nicht jeden Reflex von österreichischen oder osteuropäischen Arbeiter/innen gegen "Islamisierung" aufgeregt und diskussionslos als "rassistisch" abtun. Sie muss rückschrittliche Tendenzen nicht nur bei der einheimischen Bevölkerung, sondern auch bei Migrant/inn/en nachdrücklich bekämpfen. Sie darf sich weder mit österreichischen noch mit migrantischen nationalistischen Organisationen in ein Boot setzen, sondern muss eine klassenkämpferische Perspektive für alle Lohnabhängigen entwickeln.

Das herrschende kapitalistische System bietet immer weniger Menschen einigermaßen gute Lebensbedingungen. Besonders in den ärmeren Ländern werden durch die kapitalistische Ausbeutung die Armut und Verzweiflung immer größer - und dieses Elend und die damit verbundene Barbarei kommen nun auch immer mehr zu "uns" nach Europa. Und auch hier werden, verschärft durch die Flüchtlingsströme, der Existenzkampf für viele Menschen und damit auch soziale und nationale Konflikte schlimmer werden. Innerhalb des Kapitalismus sind keine nachhaltigen Lösungen dieser Probleme möglich. Der einzige positive Ausweg ist ein schwerer Weg, nämlich der des internationalen Klassenkampfes.

Die einzige langfristig erfolgversprechende Antwort auf die Flüchtlingskrise ist die Bekämpfung der Ursachen: also die Beendigung der kapitalistischen Ausbeutung der armen Länder und die Niederlage der US-Interventionen und des Islamismus im Nahen Osten. Für die Kosten, die die Flüchtlingsströme bis dahin auslösen, sollte nicht die Allgemeinheit zahlen, sondern die verantwortlichen Großkonzerne der USA und der EU. Und auch in Österreich gibt es genug Firmenbeteiligungen und Immobilien, die Saudi-Arabien oder Katar gehören und die enteignet werden können.

Schuld an Lohndruck und Sparpolitik sind nicht die Flüchtlinge, sondern die Kapitalist/inn/en. Viele Flüchtlinge gehörten zwar in ihren Herkunftsländern zu den Bessergestellten (denn die ärmeren Bevölkerungsteile können die hohen Kosten für die Flucht in der Regel nicht aufbringen). In ihren Zielländern werden die meisten Flüchtlinge, so sie Jobs finden, aber Teil der Arbeiter/innen/klasse sein. Wir haben Interesse daran, dass sie nicht ausgegrenzt, sondern ökonomisch und sozial integriert und Teil der Arbeiter/innen/bewegung werden und mit uns gemeinsam für ordentliche Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen. Was wir brauchen sind eine Erhöhung des Mindestlohnes, ein Verbot von Leiharbeitsverhältnissen, eine Arbeitszeitverkürzung und eine Aufteilung der Arbeit auf alle bei gleichem Lohn (finanziert aus den riesigen Konzerngewinnen).

Der Islamismus mit seinen rückschrittlichen und frauenfeindlichen Haltungen ist ein Todfeind der Arbeiter/innen/bewegung. Als solcher muss er von den Lohnabhängigen bekämpft werden. Aber nicht durch Pauschalurteile gegen alle Menschen aus islamischen Ländern! Aus all diesen Ländern gibt es auch fortschrittliche Menschen und sie müssen wir unterstützen. Wir müssen immer mehr Lohnabhängige aus islamischen Ländern davon überzeugen, dass es mehr bringt sich für die gemeinsamen Interessen der Arbeiter/innen zu engagieren als sich von religiösen Predigern auf ein islamisches Paradies vertrösten zu lassen.

Barbara Gruber, Matthias Hansen, Branka Stojanovic, Eric Wegner

http://arbeiter-innen-kampf.org/artikel/sexuelle-uebergriffe-islamisierung-und-die-arbeiterinnenbewegung /