Donnerstag, 18. August 2016

ERLESENES (IKARUS)


(III) ERLESENES (IKARUS)

Gehortete Zitate aus der schönen Literatur, die ich sehr mag, geschrieben von gerne gelesenen Autoren, sowohl aus der Belletristik als auch aus politischen Streitschriften. In loser Folge ab sofort in meinem Blog nachzulesen. Warum? Weil die Textauszüge oftmals Dinge benennen, die aktueller nicht sein können. Wer mag, leiste sich das geistige Vergnügen.

Karl-Heinz Otto: „IKARUS. Mein wunderbares richtiges Leben im doch so miesen falschen. Lebensschnipsel eines militanten Pazifisten aus drei Ismen“ 1. Auflage 2016, Edition Märkische Reisebilder, Dr. Karl-Heinz Otto, Vertrieb FON 0331 270 17 87, E-Mail: dr.otto.edit.maerk.reisebilder,@t-online.de,

Brecht-Mahnung, Seite 151:
Unter meinen Einträgen vom November 1956 findet sich das Zitat aus einer Brecht-Rede, die der unsterbliche Dramatiker im Dezember 1952 auf dem Wiener Völkerkongress für den Frieden gehalten hatte. Darin mahnte der Augsburger: „Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer. Die Beschreibungen, die der New-Yorker von den Gräueln der Atombombe erhielt, schrecken ihn anscheinend nur wenig. Der Hamburger ist noch umringt von Ruinen, und doch zögert er, die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben. Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht nass, sagen viele. Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. (…) Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht noch einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche wirke, und sie werden kommen ohne Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.“

Klassenkampf, Seite 108:
Damals begriff mein naiver Kinderverstand noch nicht, was sich hinter dem Schlagwort Klassenkampf verbarg. Die hassverzerrten Gesichter all dieser Menschen, die wie vom Wahnsinn befallen übereinander herfielen und sich blutige Wunden schlugen, gruben sich allerdings unlöschbar in mein Gedächtnis ein.

Nikitas Lügen, Seite 129:
Erst als im 21. Jahrhundert große Teile der Geheimarchive des Kreml ihre Schlösser verloren, gelang es dem amerikanischen Geschichtsforscher Grover Furr, ein wenig Licht in Chrustschows vielzitierte Geheimrede zu bringen. In seinem historischen Rapport „Chrustschows Lügen“ - nomen est omen – lesen wir die erhellenden Sätze: „Nicht eine konkrete Aussage der Enthüllungen, die Chrustschow präsentierte, weder über Stalin noch über Berija, stellte sich als wahr heraus … Wie sich zeigte, hatte Chrustschow nicht nur über Stalin und Berija gelogen – er machte praktisch nichts anderes als lügen. Die gesamte Geheimrede ist aus Fälschungen zusammengestellt.“ Und der anerkannte italienische Kommunistenforscher Prof. Domenico Losurdo meinte, hinter der sogenannten Geheimrede verberge sich vor allem ein politischer Kampf, den es weitgehend noch zu erforschen gilt.

NVA/Bundeswehr, S. 153:
Während wir NVA-Soldaten uns darauf verlassen konnten, die Uniform ausschließlich zur Verteidigung unserer Republik angezogen zu haben, wissen die Rekruten der Bundeswehr, dass ihr verfassungsmäßiger Verteidigungsauftrag längst brüchig geworden ist und ihren kriegerischen Einsatz in allen Winkeln unseres Planeten erlaubt. Spätestens seit ein SPD-Verteidigungsminister das Paradoxon verkündete: „Die Freiheit der Bundesrepublik wird am Hindukusch verteidigt!“ und Frau von der Leyen dem Bundestag eine Bedrohungslüge nach der anderen kreiert.

Clausewitz, Seite 266:
Die Umstände hatten uns genötigt, seiner fundamentalen militärischen Erkenntnis zu folgen, nach der jede Angriffswaffe die adäquate Verteidigungswaffe gebiert. Damit habe ich die Geschichte unserer Fla-Raketentruppen auf den Punkt gebracht: Wir wollten diese Waffen nicht, wie wir zu keiner Zeit auch nur eine Mark in Kriegsgerät verschwenden wollten. Die Einführung dieser Waffenkomplexe hatte sich als notwendige Antwort auf das von den USA forcierte Wettrüsten ergeben. Wie es endete, wissen wir heute: Der Plan, den Sozialismus zu Tode zu rüsten, ging auf.

Solidarnosc, Seite 309:
Wie das Polenabenteuer ausging (…) ist bekannt. Weniger bekannt blieben vorerst die Drahtzieher des Solidarnosc-Unternehmens. Spätestens seit der „Enthüllung eines der größten Geheimnisse des 20. Jh.“ durch Carl Bernstein in der Times vom 24. Februar 1992 stehen auch die Hintermänner nackt im Licht der Weltöffentlichkeit. Bernstein, der bereits die Watergate-Affäre aufgedeckt hatte, machte hier jenes Geheimabkommen öffentlich, das der US-Präsident Ronald Reagan mit dem polnischen Papst Johannes Paul II. Vereinbart hatte, um die Solidarnosc massiv mit dem Ziel zu unterstützen, das kommunistische System in Polen und schließlich den Weltkommunismus aus den Angeln zu heben.