Freitag, 26. August 2016

ERLENES (Brecht 2, Strittmatter)

ERLESENES (Brecht 2, Strittmatter)

Gehortete Zitate aus der schönen Literatur, die ich sehr mag, geschrieben von gerne gelesenen Autoren, sowohl aus der Belletristik als auch aus politischen Streitschriften. In loser Folge ab sofort in meinem Blog nachzulesen. Warum? Weil die Textauszüge oftmals Dinge benennen, die aktueller nicht sein können. Wer mag, leiste sich das geistige Vergnügen.

Werner Mittenzwei: „Das Leben des Bertholt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln“, Bd. 2,
Aufbau-Verlag Berlin 1986

USA-Politik, S.192:
Nach dem Kriege wurde das Zurückdrängen des sowjetischen Einflusses zum „A-I-Prioritätsjob“ der USA-Politik. Diese Losung, die der Unterstaatssekretär im Kriegsministerium John J. McCloy bereits im November 1945 ausgab, in der Öffentlichkeit durchzusetzen stellte sich keineswegs als einfach heraus. Noch standen die Menschen in den USA unter dem Eindruck der enormen Opfer, die die Sowjetvölker im Kampf gegen den Hitlerfaschismus gebracht hatten. Um das Ruder herumzureißen, machte sich eine massive politische Beeinflussung nötig. Die Politiker sprachen jetzt davon, daß das amerikanische Volk „zusammenhalten“ müsse, um das „langwierige Tauziehen“ mit dem Kommunismus durchzustehen. Alles ziele darauf ab, die amerikanische Öffentlichkeit umzupolen. Der Antikommunismus wurde jetzt zu einem mächtigen Faktor der Innen- wie der Außenpolitik.

Auf Seite 48 schreibt Ernst Schumacher in seinem Buch „Mein Brecht, Erinnerungen“ dazu folgendes: Es war kein Zufall, sondern eine Demonstration, daß der amerikanische Präsident Harry S. Truman gerade zu Beginn der Außenministerkonferenz (März 1947, H.P.) seine neue Doktrin verkündete, es gelte nun, die „freie Welt“ gegen den „Totalitarismus“ zu verteidigen. Der damit gemeinte Kommunismus müsse weltweit „eingedämmt“ und „zurückgerollt“ werden.

Auf Seite 386 zitiert der Autor Ernst Schumacher den „Verband der amerikanischen Wissenschaftler“, der die Weltlage durch die vorangetriebene Atomrüstung in folgende Worte fasste: „Wir nähern uns wahrscheinlich einem Augenblick, da wir nicht mehr sicher sein können, ob die ganze Welt in ein Laboratorium und alle lebenden Wesen in Versuchsobjekte verwandelt werden. Wir sind uns der Hindernisse bewußt, die mangels politischer Stabilität in der Welt einem internationalen Abkommen über die Kontrolle der Atomwaffen entgegenstehen. Aber wir können nicht glauben, daß die Menschheit nicht in der Lage ist, angesichts einer gemeinsamen Gefahr eine begrenzte Zusammenarbeit zu erreichen, welche die Interessen des Nationalismus oder der politischen Ideologie übersteigen.“

Erwin Strittmatter: „Der Laden“, Roman 2ter Teil“, 3. Auflage, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1987, ISBN 3-351-00340-4

Leser, S. 399:
Es gibt Leser, die es glücklich macht, wenn sie einem Autor kleine sachliche Unrichtigkeiten nachweisen und auf mangelnden Realismus hinweisen können. Manchmal habe ich den Eindruck, daß jene Leser, um zu ihrem Glück zu kommen, Bücher lesen, damit sie darin etwas finden, was nach ihrer Meinung nicht stimmt.

Geld, Seite 430:
Um diese Zeit kümmerts mich nicht, woher das Geld kommt, das ich verbrauche, das Taschengeld, das Geld fürs Benzin. Es ist meine Zeit jugendlicher Gedankenlosigkeit. Sie währt bei mir nicht lang, aber es gibt sie. Das nun schreibe ich vielleicht nur nieder, um mich zu ermahnen, milder gegen meine söhne zu sein, wenn sie durch die Perioden ihrer Gedankenlosigkeiten hindurchgehen.


Vernunft, Seite 222:
...ich erfuhr, daß Angehörige zweier Völker, die den gleichen Gott anbeten, Kriege gegeneinander führen (…) Vernunft ist noch immer mehr in Menschenmäulern als in Menschentaten zu Hause.