Samstag, 2. August 2014

Hanna´s klare Worte


Hanna´s Standpunkt



(Hanna ist eine sehr aktive Userin, mit der es sich ausgezeichnet diskutieren lässt. Im Folgenden wieder eine Mail von ihr samt einige ihrer selbst verfassten Gedichte zum Zeitgeschehen.)

Ja, die Schlacht der Worte. In einem Forum stehe ich wieder mal an vorderster Front. Habe die geistigen Angriffe aber gut abschlagen können. Jedenfalls ist jetzt erst mal wieder Ruhe. Aber ich stehe im Fokus. Wobei ich natürlich immer mein Maul aufreißen muss, das bin ich mir schuldig. Das Problem ist bloß: Zu klärenden Diskussionen, die wirklich nötig wären, kann es nicht kommen. Aber genau daran bin ich interessiert. Natürlich weiß ich, mit wem ich es zu tun habe, aber ich will meinen guten Glauben an ein bisschen Restvernunft immer noch nicht aufgeben.


Am 28.07.2014 habe ich mir den Will-Talk angetan, Thema Palästina-Israel. Ausgerechnet Wolfssohn, der mit jedem Wort einen Palästinenser erschießt, war da Hahn im Korbe. Und Dressler, SPD, der ehemalige Israel-Botschafter in der BRD, unterstützte ihn auf ziemlich plumpe Weise. Da hatte Todenhöfer, der sowieso ziemlich auf seriös macht, keine Chance und die palästinensische Botschafterin (PLO) sowieso nicht. Todenhöfer war in Palästina während der Bombardements, wollte berichten, schon fiel ihm Wolfssohn ins Wort und erklärte, dass er die Sache völlig falsch sieht, und bekam Beifall. Es war perfide, wie das Gespräch, wenn man es so nennen will, verlief. Der Sendeauftrag (!!!), mehr muss man da nicht sagen.


Und wie Russland nun mit den wirtschaftlichen Sanktionen klarkommt, muss man sehen. Auswirkungen jedenfalls werden sie haben. Ich denke aber nicht, dass Gegensanktionen unbedingt die BRD treffen werden, mit der sich Putin ja irgendwie auf guten Fuß stellen will, sondern eher Polen und Rumänien usw., die 100 Prozent Gas von Gazprom kriegen. Wie unsere Gescheitle aus dieser Situation wieder rauskommen wollen, darüber hat sich wohl noch niemand Gedanken gemacht. Den größten Blödsinn können meiner Ansicht nach jetzt nur noch die Unternehmer verhindern, die um die Gewinne zittern. Und Obama droht, jetzt, nachdem auch die EU den Sanktionen zustimmt, erst so richtig loszulegen. Ich denke, er versucht seine innenpolitischen Schwierigkeiten mit bramarbasierendem außenpolitischem Getue zu kompensieren. Was man allerdings nicht unterschätzen darf. Wie es im Donbass weitergeht, zeichnet sich ab.


Aber Poroschenko kriegt jetzt auch Widerstand aus der Westukraine, nämlich von den Müttern, die ihre Söhne nicht für fremde Interessen in den Tod schicken wollen und zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen. Aber P. hat die NATO im Rücken, die ihn schiebt, fühlt sich im Recht und bangt um Gewinne, Einfluss und Position, eine ekelhafte Mischung.


Aber dass man Putin nun auch noch die Wiederbelebung der NATO in die Schuhe schieben will, wie das in der ARD tönte, lässt tief blicken.


Hanna´s Gedichte (Eine Auswahl)



Kohlrübenjahre

Nu ham wa ihn, den prima Weltkriech.

Mensch, Vata, mit een Been humpelt et sich doch

ooch nich schlecht.

Mutta kocht Rüben, die Rieke steht beim Bäcker an.

Die Kleenen an Muttans Rock sind Neese.

Vata passt Obacht uff'n Schutzmann, derweil ick,

Stammhalter und mopsfidel, mit treuem Blick

und jutem Jewissen Feuerholz klauen jeh.

Vata, ick weeß nich, warum det allet so

weiterjeht. Die ham, mein Junge, sachta,

ehm noch nich janz zu Ende jesiecht.

Sacht Vatern und weent.

Wissen will ick: Wer hat die jerufen?

Die ham wa doch jarnich jebraucht.

Und wenn uns Muttan die Rüben ufftischt,

ick wie een leeret Fass über die Dielen polter,

denn weeß ick: Mir hat noch keen

Schornstein jeraucht.

Irjendwann, sacht Vata Leubel,

denn jagen wir det janze Pack zum Deubel.

Da, wo et hinjehört.

Und det hat er beschwört.
2.8.14



Bericht aus Gaza


Lichtblitz der Geschosse.

Und Städte aus Menschengeheul.

In den dunkelsten Nächten, umwoben

vom Dunst, kamen die Bomber.

Rauch über der Landschaft, böser Rauch,

über dem vergessensten Winkel

der Welt. Die Mörder sind

im Geschäft. Die spielenden Kinder

auf dem Dach sahen die Granate

nicht kommen. Da war

die längste Nacht.

In den Ruinen, voll der Schmerzen,

ein alter Mann, das tote Etwas

im Arm. Zum Himmel geht sein Blick,

mit erstorbenen Augen. Erstickt

sein Schrei, als hätte er einen

Stein im Mund.
19.7.14


Befremdende Zeit

"Der Krieg ist ein besseres Geschäft als der Friede.

Ich habe noch niemand gekannt, der sich zur

Stillung seiner Geldgier auf Erhalt und Förderung

des Friedens geworfen hätte. Die beutegierige

Kanaille hat seit eh und je auf Krieg spekuliert."

(Carl von Ossietzky)

Steintaubes Jahr.

Unter der Sichel des Sommers

beugt sich sein Nacken. Unauffindbar

im Lügendrusch des Strohs die Nadel der

kleinen Hoffnungen.

Die Verderber der Menschheit

triumphieren. Unsagbar das Leid der Völker,

es rührt an den Rand des Himmels, nicht vorstellbar

das kommende. Die Medienhuren hetzen, niemand

öffnet den Stimmen des Friedens

die Tür, der Raureif des Krieges ängstigt

die Welt. Erstarrt steht sie vor den Trümmern

ihrer Untätigkeit.

Befremdende Zeit.

Meine Finger betasten den Schorf

neuer Wunden. Nimm, du ruhlose Zeit,

nimm mich in den Arm.



28.7.14