Donnerstag, 19. Dezember 2013

Meinungen zur "Nächstenliebe..."


Kommentare zur Rezension Nächstenliebe & Peitschenhiebe
(Genehmigung der beiden User liegt vor)
19.12.2013:

Lieber Harry Popow,
ich habe schon viel gehört von Deschners Büchern, aber leisten kann ich sie mir nicht, sie sind einfach zu teuer für mich unter diesen Verhältnissen. Als eingefleischte Atheistin wäre ich natürlich hochinteressiert, sie zu lesen. Aber Deschner will aufklären, und da hat er sicher in erster Linie eine andere Lesergruppe im Auge, die mit dem dicken Polster und dem guten Glauben. Ich bin ja schon aufgeklärt und von Polstern kann keine Rede sein.

Es ist ein nicht ganz leicht zu behandelndes Thema, sehr umfangreich, aber du beschreibst souverän und leicht verständlich, worum es geht: um das schändliche Bündnis von Kirche und Staat. Unser pfäffischer Bundespräsident hätte das natürlich alles viel gründlicher ausgeschmückt mit dem göttlichen Wort, schade, dass er aus prinzipiellen Gründen nicht mitspielt und seinen präsidialen Genius für läppische Formalien verschwenden muss.

Nüchtern und sachlich zitierst du treffende Passagen, sozusagen zum "Reinschnuppern", stellst Zusammenhänge her, die sich manch ein Gläubiger überhaupt nicht vorstellen kann, und das nicht nur, weil er genau weiß, sein Pastor würde sie ihm nicht nur ausreden wollen, sondern ihm täglich hundert Vaterunser aufbrummen. Aber die Austrittsbewegung aus der Kirche, und da besonders der katholischen, ist beachtlich, immer mehr Menschen kommen zu der Überzeugung, dass mit ihnen ein böses Spiel gespielt wird, dass sie die Schafe sind, die nicht nur Krippe, sondern in den Schlachthof geführt werden sollen. Das Propagieren von Kriegen gehört zum täglichen Handwerk des Klerus, schön auch, dass Deschner auf heutige Zusammenhänge eingeht und aufzeigt, in welcher Weise die Merkel-Regierung die Macht der Kirche für ihre Zwecke nutzt. Nicht, dass die Kirche etwas dagegen hätte, im Gegenteil, man fühlt sich gebauchpinselt und wäre sicher gekränkt, würde sich die Kanzlerin an das Grundgesetz auch wirklich halten.

Danke, Harry Popow, für den Einblick in Deschners Werk, das es in sich hat, jeder wahrhaft Gläubige und jeder wahrhaft Ungläubige sollte es unterm Weihnachtstisch vorfinden.

Lieben Gruß, Hanna



Penelopeia zum gleichen Thema:

Lieber Harry Popow,
ein Herr Deschner war mir bis jetzt noch kein Begriff; wenn es so ist, wie Du schreibst, er also selbst im hohen Alter noch derartige Kraftakte zu leisten imstande ist, verdient das meine Bewunderung.

Im Großen und Ganzen kann ich dem Inhalt der Rezi zustimmen: Die Kirchen - also nicht nur die katholische, auch die anderer Konfessionalität - waren stets Verbündete der Herrschenden bzw., bis zum späten Mittelalter, selbst Herrschende. Sie haben es verstanden, Begriffe wie "Nächstenliebe" für ihre Zwecke zu annektieren. Der Gottesbezug ist die allgegenwärtige Methode für machtpolitische Manöver aller Art.

In einem Punkt möche ich Dir dennoch widersprechen, wenn Du schreibst
Zur Sache: Die insgesamt elf Bände umfassen die Geschichte des Christentums von den Anfängen bis zur Gegenwart. Mit der Anklageschrift (rund 7000 Seiten und mehr als 100.000 Quellenangaben) macht der Autor Front gegen die „Religion der Nächstenliebe“. Das sucht in der Weltliteratur ihresgleichen. Der fast Neunzigjährige rührt an den Schlaf der Millionen Schäfchen, die sich jahrhundertelang geistig verführen ließen und – mangels Zukunftsperspektiven – immer noch in die Irre leiten lassen.

Vom Umfang her hat Hr. Deschner wahrscheinlich keinen gebürtigen Mitstreiter. Was die Intensität, Prägnanz und innere Logik angeht, hat m.E. F. Nietzsche mit seinem "Antichrist" alles zum Christentum als Institution gesagt.
Schöne Grüße
P.