Dienstag, 26. Februar 2013

Ein Schauspieler vor dem Herrn


NEUES von Freund ALEX

 

Alex ist mein Freund. Reiner Zufall: Habe ihn per Mausklick im Internet kennengelernt. Etwas älter als ich. Mit einem ganzen Rucksack voller Erlebnisse und Erfahrungen. Ein einstiger DDR-Bürger, der sein Hirn noch voll in Gebrauch hat und – das vor allem – das Herz auf dem rechten Fleck. Mit seinem Einverständnis nehme ich gelegentlich diese oder jene Zeilen, die er mir per E-Mail sendet, in meinem Blog auf. Warum nicht?

 

Mail vom 25. Februar 2013:

 

Gauck(ler ) - Rede nur gelesen und dazu in einem Forum mit einer dreckigen Bemerkung mir das Prädikat „peinlich zu sein“ eingehandelt. Ich habe mir erlaubt, Geibel abgewandelt mit "Am deutschen Wesen soll Europa genesen" meinen Kommentar dazu zu geben. Das einfach deswegen, weil der große Erklärer sich anmaßt, Freiheit, Einheit, unser Glück und was nicht noch alles den paar auserwählten Beifallsspendern nahe zu bringen. Na ja, und über seine pastorale schmierige Eloquenz als Schauspieler vor dem Herrn und der Gemeinde muß man ja nicht weiter sprechen.


Einige seiner Kernaussagen würde ich mir zutrauen so zu zerpflücken, dass der gute Dampfplauderer hinter den ihn schützenden Nebelwänden bis auf die Unterhosen entkleidet hervortreten müsste. So eine Scharlatanerie, die der „Präsident der Herzen“ da betrieb und bei seiner Gemeinde sogar Beifall fand. Nur eine der Nebelbomben: „Ich sehe in Europa unter den politischen Gestaltern in Deutschland niemanden, der ein deutsches Diktat anstreben würde.“


Wäre er in der jüngeren deutschen Geschichte aufmerksamer dabei gewesen, müsste er erkannt haben, dass Deutschland vom Ausruf des F.J.Strauß „Deutschland ist ökonomisch ein Riese, aber politisch ein Zwerg - wir müssen wieder in die Welt hinaus“ bis heute – da sowohl Merkel als auch ihr Finanzminister Schäuble mit ihren Hegemonialbestrebungen - auf dem von Strauß geforderten Weg weit vorangekommen ist. Und die damit verbundene Sparpolitik sowie deren Folgen bei den europäischen Völkern zur Krisenbewältigung zeigt eben kein Glücksgefühl und keine Begeisterung bei den einfachen Menschen für Europa. Es gäbe noch so viel mehr. So der Schwenk zu den jungen Menschen im Saal, wo und wie und was die alle lernen dürfen, die Reisemöglichkeiten. Herr jeminee! So ein gesalbter Scheiß! Der soll sich mal das deutsche Bildungssystem anschauen.


Ich hörte letztlich ein Gespräch im Info-Radio mit der Justizkommisarin der EU Viviane Reding. Die legte den Finger in die Wunde und stellte fest, dass die Lösung der fiskalischen Probleme der EU eben deshalb so schwierig ist, weil man zuerst den EURO als Klammer schuf und jetzt, wo es kriselt, die Gesetze - also die politischen, juristischen und rechtlichen Regularien schaffen muß. Na so was. Dafür werden die also in Brüssel bezahlt.


Und jetzt im Kontext dazu Gauck: „Wer meint, die europäische Vereinigung sei ein Kunstgebilde und unfähig, seine unterschiedlichen Bürgerinnen und Bürger aus bald 28 Nationalstaaten zusammenzuführen, der sei daran erinnert, dass auch die Nationalstaaten nichts natürlich Gewachsenes und nichts Ewiges sind“. So kann man die Leute verarschen und auch auf Zwänge einstellen.

 

Nun bliebe bei mir eine ganz ketzerische Frage: Hat Bismark mit seiner Blut- und Eisenpolitik den einheitlichen deutschen Nationalstaat von oben nach unten als fortschrittliches Konstrukt geschaffen, die Kleinstaaterei damit als Hemmnis der Entwicklung notwendigerweise überwunden und dient das womöglich heute mit anderen restriktiven Mitteln und Methoden (wie Sparzwang, Rettungsschirm ... ) dazu, das uns gefallen sollende Europa zu schaffen?Dann wären natürlich Gaucks Worte richtig: „Europa braucht jetzt nicht Bedenkenträger, sondern Bannerträger, nicht Zauderer, sondern Zupacker, nicht Getriebene, sondern Gestalter.“ (Deutsche Bannerträger?Zauderer wie GB zum Beispiel? Alex.)

 

Wer eben in der Lage ist, an der Bundeswehrakademie zu erklären, dass man für die Freiheit auch Leben opfern können muss, den darf es auch nicht schwer sein, den Europäern Ziel, Weg und Konsequenzen für „FRIEDEN UND FREIHEIT“ aufzuzeigen .

Ob die Verkündigung groß über die Grenzen der BRD hinaus kam ?

 

Ich habe da noch eine ganz gehässige Entgegnung auf eine Passage in seiner Rede. Er sagt: Europa habe eine identitätsstiffende Quelle. „Wir versammeln uns im Namen Europas nicht um Monumente, die den Ruhm der einen aus der Niederlage der anderen ableiten. Wir  versammeln uns für etwas - für Frieden und Freiheit …“

 

Wo und für wen sprudelt die Quelle? In den Ländern, in denen die deutsche Industrie billig produzieren lässt? Auf keinen Fall! Was macht die Kanzlerin so mutig zu sagen, dass wir besser aus der Krise herausgehen als wir hineingekommen sind? Auf wessen Kosten geschieht das? Da muss doch wohl die Frage gestattet sein, warum Frankreich mit einem Staatsdefizit von -3,7 % des Bruttoinlandsprodukts, Italien mit -2,1 %, Spanien mit -6,7 %, Portugal mit -4,9 % und Griechenland mit -4,6 % im Keller stecken und der Musterschüler Deutschland glänzt mit nur -0,2 % Miesen. Dementsprechen natürlich auch die Arbeitslosenquoten: D. 5,7 %, Fr. 10,7 %, It. 11,6%, Sp. 26,9 %, Ptg. 17,3 % , Gr. 27,0 %

 

(Alle Angaben aus der Berliner Zeitung von diesem Wochenende 23./24.02.2013.)

 

Das lässt erkennen , dass die Krise den Norden erreichen wird. Was uns das italienische Wahlergebnis bescheren wird steht dabei noch aus. Aber der Aktienindex flackert ganz schön rauf und runter. Die den Ländern aufgezwungene Sparpolitik nach den „Regeln der schwäbischen Hausfrau, vertreten durch eine aus Meck-Pomm stammende Wissenschaftlerin mit ihren finanzpolitischen Haushaltsgehilfen hat offensichtlich zu einer schweren Rezession geführt. Wo sprudelt da nun für wen etwas, was der Herr als „identitätsstiftend“ sieht? Wer soll sich den damit identifiziern?

 

Und schon kommt die nächste Gauck´che Nebelbombe: „Diese Krise hat mehr als nur eine ökonomische Dimension. Sie ist auch eine Krise des Vertrauens in das politische Projekt Europa“. Soweit richtig. Wobei „Projekt Europa“ wohl mehr im Futur zu sehen ist. Aber egal, das unterschreibe ich auch noch. Das stimmt. Aber - wir würden nicht nur um unsere Währung ringen, sondern auch mit uns selbst. Na, das muß er mal jemandem erklären, der große Erklärer. Soll das bedeuten, dass wir im Ringen mit uns selbst auch verlieren können? Und dann sind wir selbst daran schuld? Wir? Das einfache Volk? Das hatten wir doch schon mal!!

 
Und der Haifisch, der hat Zähne ... und Mäcki, der hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht. Brecht sagte auch noch, „die im Dunkeln sieht man nicht“. Aber den Messias der Europäischen Union und des Industrie- und Bankkapitals der BRD hört und sieht man. Und der kann so schöne Geschichten erzählen, so schön erklären. Nur - verstehen konnte ich ihn nicht.