Mittwoch, 5. Oktober 2011

"In die Stille gerettet" / Autobiographischer Roman / Buchtipp

DDR-Erinnerungsliteratur ist zunehmend gefragt. Sie wird besonders dann interessant und spannend, wenn es um ehrliche Rückblicke geht, wenn aus ganz persönlicher Sicht sowohl Privates als auch Gesellschaftliches eng verwoben beleuchtet werden, wenn auch Uneingeweihte einen Einblick in die inneren Motive, in das alltägliche Denken und Handeln bekommen. Herz, Geist und Gutwilligkeit vorausgesetzt, können so weiter Brücken entstehen – zwischen Ost und West.  Einer von jenen DDR-Bürgern, die dies ebenfalls versuchen, bin ich mit meinem erst kürzlich veröffentlichten Buch „In die Stille gerettet“.

In Tagebuchnotizen erzähle ich, warum „Henry“ (das bin ich), ein fast 60jähriger Mann – der den Krieg noch als Kind hat erleben müssen, der sich voller Überzeugung im DDR-Alltag einbrachte und die Wende heil überstand – mit seiner Frau in die Stille der schwedischen Wälder abhaute. Sechs Jahre nach der Deutschen Einheit! Niemand trieb uns, keiner wurde steckbrieflich gesucht, keiner verunglimpft … Träume einerseits und Unvereinbarkeiten mit neuen Zuständen andererseits?

Um weitgehend Eigenwerbung zu vermeiden, füge ich hier mal die Meinung einer Lektorin (von ihr genehmigt) aus dem Verlag Haag+Herchen GmbH aus Hanau zu diesem Buch hinzu:

Da ich immer erst den Text anschaue … , konnte ich ganz entspannt lesen und mich freuen – über die wunderschöne Liebesgeschichte zweier Menschen, die harte Zeiten erlebt haben und doch im Herzinneren stets beieinander waren und sind.

Das Buch ist schön aufgebaut. Natürlich chronologisch, ich meine aber inhaltlich. Es besteht im Grund aus zahlreichen Mosaiksteinchen des Lebens, die wie eine Loseblattsammlung beginnt und dann nach und nach zu einem dichten Lebensteppich zusammenwächst unter einem Grundthema – Liebe.

Erinnerung … , es sind die kleinen Momente, … die unser Erleben prägen, … In Ihrem Fall ist das Cleo, grad heraus, unverblümt, herzlich und konstant, wissend und mutig und Sie, Lehrling, NVA-Offizier, Journalist, dann die Arbeit beim Fernsehen und die zweite Karriere, Schreiben, Malen, Auswandern.

Es sind kleine Spotlights, die den Weg zurück beleuchten, angefangen bei den Erinnerungen der jungen Mutter Tamara, die ihre Zukunft träumt und sie doch nie finden wird, anders als ihr Sohn, der sofort weiß – die ist es.

… Die Momente des Mauerfalls aus dieser Sicht sind sehr interessant, zumal es im ehemaligen „Westen“ bis heute nicht wirklich klar ist, was das für ehemalige Ostler bedeutet hat – die Tochter flüchtet, der Vater muss Rede und Antwort stehen in einem System, das es nicht mehr gibt, in dem aber alle aufgewachsen sind, das für alle als „wahr“ galt – eine ausgesprochen schwierige Situation.

Das Leben in Schweden bringt wieder Ordnung innen und außen, Ruhe und Gemeinschaft und das, was wirklich wichtig ist – menschliche Nähe, Gespräche und Zweisamkeit, die Natur und die enge Verbundenheit innerhalb der Familie, auch das sehr auffallend im Gegensatz zu so vielen Berichten der gleichen Zeitepoche aus „Westsicht“, in denen es überwiegend um Egoismus und Trennung geht und um die Frage, wer wen wie ausnimmt.

… Starke Frauen begleiten Ihren Lebensweg, das hat mich sehr beeindruckt.

Sie fragten, … ob manches nicht zu privat ist - … Es ist eher berührend und zauberhaft und von daher kostbar, nicht nur für Sie als Paar, sondern auch für den Leser, der sich so etwas wie Ihre Ehe natürlich auch wünscht (und hoffentlich lebt). … Es ist ein Herzenstext, …

Christine Krokauer, Lektorat

Harry Popow: „In die Stille gerettet“. Persönliche Lebensbilder. Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3