Dienstag, 24. Juli 2018

Putins Warnung...



Putin stellt klar: Keine Aufnahme von Ukraine und Georgien in der NATO, oder sonst….


VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 24. JULI 2018


von Eduard Popov – http://www.fort-russ.com

Übersetzung LZ

Wie erwartet, hat das Treffen der Präsidenten der USA und Russlands in Helsinki nicht zu einem Durchbruch in den bilateralen Beziehungen geführt. Trumps jüngste Aufsehen erregende Äußerungen, wie die über die russische Krim, sein „Vertrauen“ zu Putin in der Frage der angeblichen „russischen Einmischung“ in die amerikanischen Wahlen usw., wurden am vergangenen Tag dementiert oder aufgeweicht. Der Druck des „tiefen Staates“ und die starke Opposition der amerikanischen Bürokratie und des politischen Establishments hat sich bemerkbar gemacht.

Doch in Russland, auch in Kreisen, die mit Trump sympathisieren, war die Leichtigkeit, mit der der Präsident des mächtigsten Staates der Welt seine Positionen wechseln kann, ein echter Schock. Um es gelinde auszudrücken, das verleiht dem amerikanischen Staatssystem keine Glaubwürdigkeit oder Autorität. Und gerade die immaterielle Sphäre des Vertrauens und der Autorität macht einen sehr bedeutenden Teil des politischen „Kapitals“ des amerikanischen Staates aus.

Aber die Frage der internen Beziehungen innerhalb des amerikanischen Establishments ist nicht mein Fachgebiet. Sie wird von Experten aus den Vereinigten Staaten viel besser verstanden. Ich möchte nur die offizielle Position Russlands hervorheben.

Zum Beispiel möchte ich die heutige Erklärung von Wladimir Putin zitieren. Bei einem Treffen mit den russischen Botschaftern und ständigen Vertretern sprach Putin über den möglichen NATO-Beitritt Georgiens und der Ukraine. Putin betont: „Wir werden auf solche aggressiven Schritte, die eine direkte Bedrohung für Russland darstellen, angemessen reagieren.“

Der russische Präsident hat auch das Thema des Beitritts der Ukraine und Georgiens zum Nordatlantischen Bündnis in einem Interview mit Fox News während seines Besuchs in Helsinki angesprochen.

Putin nannte den Vormarsch der NATO-Truppen bis zur russischen Grenze eine Bedrohung für die Sicherheit des Landes. Dieses Thema ist traditionell sehr wichtig und relevant für den russischen Staat. Die Russen können den USA und dem Westen einfach nicht, um es milde auszudrücken, ihr unbedachtes Verhalten und ihre völlige Täuschung verzeihen – schließlich wurde ihr verbales Versprechen an den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow, die NATO nicht nach Osten auszudehnen, im Austausch für die Zustimmung des sowjetischen Führers zur Annexion Ostdeutschlands (DDR) durch Westdeutschland gebrochen und ist die Ursache für einen Großteil des gegenwärtigen Konflikts zwischen Russland und dem Westen.

Das Nordatlantische Bündnis hat nicht nur die ehemaligen Länder des Warschauer Pakts, sondern auch drei ehemalige sowjetische baltische Republiken aufgenommen. Infolgedessen sind die NATO-Militärstützpunkte und Flugzeuge jetzt etwas mehr als hundert Kilometer von der nördlichen Hauptstadt Russlands, St. Petersburg, entfernt. Diese Tatsache ist mehr als ein ernsthafter Grund zur Sorge für Russland.

Die mögliche Aufnahme der Ukraine und Georgiens in die NATO bedeutet jedoch weit mehr als nur Besorgnis und Angst. Es  würde eine Kriegserklärung an Russland bedeuten. NATO-Militärstützpunkte in Georgien, einem gegenüber Russland unfreundlichen Staat, könnten mit der Spitze eines Schwertes verglichen werden, das in den weichen Unterbauch Russlands – den Nordkaukasus – gestoßen wird.

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit einem Veteranen der russischen Streitkräfte (Luftverteidigung) mit dem Rang eines Generals zu sprechen. Ohne die technischen Details werde ich seine Schlussfolgerungen als solche zusammenfassen: Die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO würde das gesamte russische Raketenabwehr- und Flugabwehrsystem untergraben. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sich amerikanische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge an den Grenzen Russlands befinden. Moskau wäre den Gefahren von Luft-, Raketen- und Bodeninvasionen ausgesetzt, und die Entfernung einer Panzeroffensive auf Moskau würde sich auf mehrere hundert Kilometer reduzieren.

So entsteht eine tödliche Bedrohung für Russland. Und es ist klar, dass Russland bereit ist, mit all seinen Möglichkeiten zu reagieren, auch mit militärischen Mitteln. Selbst Analysten, die keinen Zugang zu Staatsgeheimnissen haben, erkennen, dass das Arsenal solcher Reaktionen sehr groß ist. Ich kann nur feststellen, dass der NATO-Beitritt der Ukraine und Georgiens automatisch zu ihrem Verschwinden als Staaten führen würde.

Für die Ukraine könnte dies zumindest die Reduzierung ihrer Staatsgrenzen bis auf das Territorium des Hetmanats von 1654 bedeuten. Deshalb sollten Wladimir Putins Worte der Warnung gegenüber Kiew und Tiflis mit voller Sensibilität aufgenommen werden. Allerdings gibt es dafür wenig Hoffnung, denn die Sensibilität ist einer der größten Defizite, mit denen die Ukraine und Georgien konfrontiert sind.

Viele weitere Fragen könnten sich zum Schicksal der künftigen Beziehungen zwischen Russland und den USA, Russland und der EU sowie Russland und der NATO stellen. Europa würde ein Kontinent des Krieges werden. Denn was für die USA profitabel ist, ist für Russland und die europäischen Länder unrentabel. Erst kürzlich warnte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor den Gefahren, Russland mit dem Vordringen der NATO bis an seine Grenzen zu „ärgern“. Kurz darauf wurde er plötzlich entlassen. Wird seine Warnung und Putins Warnung in den Hauptstädten Europas gehört werden?

https://www.fort-russ.com/2018/07/putin-lays-down-the-law-no-ukraine-and-georgia-in-nato-or-else/