Freitag, 6. Juli 2018

Methodisches Lügen



Propagandalügen als Methode

Eine der größten imperialistischen Propagandalügen markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Um den Angriff auf das Nachtbarland Polen zu rechtfertigen, täuschte die SS einen polnischen Überfall auf den deutschen Rundfunksender Gleiwitz am 31. August 1939 vor. Hitler äußerte sich bereits am 22. August vor Wehrmachtsgenerälen entsprechend: „Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht.“ (22. 8. 1939, Ansprache Adolf Hitlers lt. Aufzeichnungen von Generaladmiral Boehm)

Nachdem die Franzosen 1954 im Indochinakrieg eine Niederlage erlitten hatte, wurde Vietnam geteilt. Die USA übernahmen die Rolle des Kolonialherrn in Südvietnam. Um gegen Nordvietnam militärisch vorgehen zu können, das die Befreiungsbewegung im Süden unterstützte, organisierten die Amerikaner den „Zwischenfall im Golf von Tonking“. Sie behaupteten, daß nordvietnamnesische Schnellboote am 2. und 4. August 1964 US-Kriegsschiffe angegriffen hätten. Diese Angriffe haben jedoch nie stattgefunden. Vielmehr haben südvietnamesische Schnellboote mit Rückendeckung der US-Marine den Norden angegriffen. Mit einem enormen Propagandaaufwand weitete der USPräsident, L. B. Johnson, den Krieg auf ganz Vietnam aus. Der Einsatz von US-Truppen in Südvietnam und die Bombardierung Nordvietnams waren bereits 1963 geplant worden. Nach unterschiedlichen Schätzungen verlor Vietnam zwischen drei und fünf Millionen Menschen in diesem langen Krieg. Er endete am 1. Mai 1975 mit der Niederlage des südvietnamnesischen Regimes und der USA.

1999 überfiel die NATO Jugoslawien, um den Kosovo abzuspalten. Als Propagandalüge wurde behauptet, daß Jugoslawien eine ethnische Säuberung im Kosovo vornehmen würde. Der damalige SPD-Kriegsminister Scharping präsentierte während der NATO-Angriffe am 8. April 1999 einen „Hufeisenplan“ zur ethnischen Säuberung im Kosovo. Außerdem behauptete er, es habe ein serbisches Massaker in Orahovac Anfang August 1998 gegeben. Es gab jedoch weder einen „Hufeisenplan“ noch ein Massaker an Albanern! Zur Desinformation gehörte, daß über wirkliche Massaker albanischer Verbrecherbanden (UÇK) nicht berichtet wurde. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder bestätigte 2014, daß der Krieg gegen Jugoslawien und die Abspaltung des Kosovos ein Völkerrechtsbruch waren.

Für den Kriegsbeginn gegen den Irak reichte die Propagandakriegslüge, daß Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen entwickle und besitze. Der damalige Außenminister der USA, Colin Powell, legte im UNO-Sicherheitsrat gefälschte Unterlagen vor. Amerikanische und britische Truppen überfielen am 20. März 2003 den Irak. Das Land steckt immer noch im Chaos … Propagandalügen kennzeichnen auch den Krieg gegen Syrien. Die USA und ihre Verbündeten (NATO, Europäischen Union, Israel u. a.) merken, daß sie das Heft des Handelns verloren haben. Wenn der Plan A – Vernichtung Syriens und Baschar al-Assads – nicht funktioniert, gibt es den Plan B – die Teilung Syriens. Am 11. Januar d. J. traf sich „die kleine Syriengruppe“ bestehend aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Saudi-Arabien und Jordanien. Sie haben sich vermutlich für die Variante „Golf von Tonking“ entschieden. Dabei wird mit verteilten Rollen vorgegangen. Terrororganisationen werden mit chemischen Produkten versorgt, aus denen Giftgas hergestellt werden kann. Diese setzen Giftgas ein oder täuschen Giftgaseinsätze vor, die dann den syrischen Truppen angelastet werden. Dazu paßt die Information eines syrischen Vertreters in der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Er teilte mit, daß im syrischen Duma chemische Stoffe deutscher und britischer Herkunft, insbesondere aus dem Labor Porton-Down in Salisbury gefunden wurden. Um einen maximalen Propagandaerfolg zu erreichen, werden „rote Linien“ gezogen und geheimdienstlich gesteuerte Propagandagruppen, wie die „Weißhelme“ und die „Syrische Stelle für Menschenrechte“, eingesetzt. „White Helmets“ ist nach eigenen Angaben 2013 in der Türkei von einem britischen Agenten und Söldnerdienstleister gegründet worden. Am 7. April wurde behauptet, daß die syrische Luftwaffe Giftgas eingesetzt hätte. Das war der Vorwand für die USA, Großbritannien und Frankreich, am 14. April einen Angriff auf Syrien mit 103 Raketen durchzuführen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow konstatierte: „Wir haben unwiderlegbare Beweise dafür, daß dies ein weiterer inszenierter Vorfall war“ …

Imperialistische Propaganda folgt immer dem gleichen Schema. Es werden Vorfälle oder Sachverhalte gesucht oder geschaffen, die entweder frei erfunden oder vorsätzlich falsch interpretiert werden. Dabei werden Unwahrheiten (Lügen), Halbwahrheiten und Wahrheiten geschickt miteinander verknüpft. Das geschieht in erster Linie in aktuellen Artikeln/Beiträgen, durch entsprechende Manipulationstechniken und Wortwahl. Ziel ist es, Meinungen, Einstellungen oder Handlungen zu beeinflussen, Gedanken zu verändern oder neu zu bilden. Das setzt freilich eine Gleichschaltung aller Medien, staatlicher und internationaler Institutionen voraus, die aus wenigen Quellen oder nur einer Quelle mit Informationen „versorgt“ werden.

Natürlich ist diese Art der Propaganda nicht neu. Bereits Goebbels formulierte, daß Propaganda den Menschen mit den Ideen der Propaganda durchtränken muß, ohne daß er es überhaupt merkt, daß er durchtränkt wird. Er stellte die Propaganda als Bestandteil der Kriegsvorbereitung dar, um „die öffentliche Meinung“ als „Heer der geistigen Vereinheitlichung“ zu mobilisieren. Propaganda wäre somit „Weichensteller der Zeit“.

Genau nach diesem Muster funktioniert heute imperialistische Propaganda in klassischen und modernen Medien. Sie dient der Systemerhaltung, der Unterwanderung anderer Länder, der Verleumdung unliebsamer Staaten, Institutionen und Personen, der Verhängung von Sanktionen und insbesondere der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung.
Dr. Ulrich Sommerfeld