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Die Botschaft der „Haselnuss“ an die Ukraine und NATO
2. Dezember 2024
Waffenstillstand
„Dank“ westlicher Provokationen ist der Ukraine-Konflikt zur
gefährlichsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg geworden. Sogar
Einheiten der Strategischen Raketentruppen (RVSN) Russlands kamen jetzt
zum Einsatz. Die Botschaft an die NATO war unmissverständlich. Aber
wurde sie verstanden?
Von Rainer Rupp
Erstveröffentlichung am 26.11.2024 auf RT DE
Am 21. November 2024 wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der
russischen Militärstrategie aufgeschlagen. An diesem Tag setzte die
Russische Föderation ihre Strategischen Raketentruppen (RVSN) erstmals
in einem realen Kampfeinsatz ein. Dieser Schritt markiert eine
historische Eskalation und rückt die strategische Bedeutung dieser
Spezialeinheit ins Rampenlicht, die seit ihrer Gründung in der
Sowjetunion als die „Truppen der Apokalypse“ bekannt sind.
Die RVSN sind ein eigenständiger Zweig der russischen Streitkräfte, der
die Verantwortung für das interkontinentale Raketenarsenal trägt. Diese
„Soldaten der Apokalypse“ sind mit einer Feuerkraft ausgestattet, die
theoretisch in der Lage ist, eine globale Katastrophe auszulösen.
Während des Kalten Krieges standen sie mehrfach in höchster
Alarmbereitschaft, insbesondere während Krisen wie der Kubakrise und der
RYAN/Able Archer-Krise im Herbst 1983. Bis zu diesem Novembertag im
Jahr 2024 wurden die RVSN noch nie in einem realen Kampfeinsatz
verwendet.
Der Kontext des Einsatzes der „Oreschnik“ (Haselnuss)
Der Ukraine-Konflikt hatte sich in den Monaten zuvor zu einer der
gefährlichsten Sicherheitskrisen der modernen Geschichte entwickelt. Die
westlich-ukrainische Seite ignorierte wiederholt russische Warnungen,
Langstreckenangriffe auf unbestrittenes russisches Territorium wie
Brjansk und Kursk einzustellen. Provokationen der NATO, die als
Hauptunterstützer der Ukraine agierte, trugen dazu bei, die Spannungen
weiter zu verschärfen. Angesichts dieser Entwicklungen entschied sich
Moskau, eine seiner mächtigsten Waffen einzusetzen – jedoch zunächst in
einer nicht nuklearen Form.
Das Ziel des Angriffs war eine riesige ukrainische Rüstungsfabrik in
Dnipro (Dnjepropetrowsk), in der schon in Sowjetzeiten Raketen
hergestellt wurden, ununterbrochen bis letzte Woche. Die Waffe, die
hierbei zum Einsatz kam, war die neu entwickelte russische
Hyperschall-Rakete mit dem Codenamen „Oreschnik“. Diese Rakete wurde
bisher nur theoretisch getestet und erwies sich nun in einem realen
Kampfszenario als äußerst effektiv. In der Endphase der nicht zu
berechnenden Flugbahn, trennen sich bis zu 36 Sprengköpfe von der
Trägerrakete, die wiederum mit eigenem Raketenantrieb unabhängig
voneinander ihre eigenen Ziele ansteuern. Dabei wird die
Zerstörungskraft der jeweiligen Sprengköpfe noch durch die kinetische
Energie der extrem hohen Einschlaggeschwindigkeit vervielfacht.
Anscheinend hatte die „Oreschnik“ auf dem großen und weit gestreuten
Areal des ukrainischen Rüstungskonzerns trotz ihrer nur konventionellen
Bewaffnung die Wirkung einer kleinen taktischen Nuklearwaffe.
Mit ihrer beeindruckenden Geschwindigkeit und zerstörerischer Präzision
hat die „Oreschnik“ daher auch als konventionelle Waffe auf den bisher
blinden und tauben Regierungsetagen der europäischen NATO-Länder für
Aufregung gesorgt. Denn die westlichen Kriegstreiber müssen jetzt damit
rechnen, dass diese Raketen mit einer Reichweite von 6000 Km jeden Ort
in Westeuropa – egal ob konventionelle oder nuklear bestückt – mit
Hyperschall in kürzester Zeit erreichen können und zugleich keine
westlichen Waffen existieren, die die „Oreschniks“ aufhalten können.
Botschaften an die Ukraine und die NATO
Aus russischer Sicht dürfte der Einsatz der „Oreschnik“ zwei zentrale
Ziele gehabt haben. Erstens diente er als Test, um die Effizienz dieser
neuen Technologie unter realen Bedingungen zu bestätigen. Zweitens war
er eine „letzte Warnung“ an die Ukraine und deren westliche
Unterstützer. Moskau wollte demonstrieren, dass es die Mittel und den
Willen hat, auf die Eskalationen adäquat zu reagieren, ohne jedoch
sofort auf den Einsatz von Nuklearwaffen zurückzugreifen.
Die Botschaft an die NATO war unmissverständlich: Es gibt keine
existierende militärische Technologie, die Russlands interkontinentale
Raketen aufhalten könnte. Sollten nukleare Optionen gewählt werden,
würden die Ziele sicher getroffen werden – unabhängig von den
Verteidigungsmaßnahmen der Atlantischen Allianz.
Für die Ukraine war die Warnung noch direkter. Der Angriff sollte
verdeutlichen, dass niemand das Kiewer Regime vor den Konsequenzen
seiner Handlungen schützen wird. Washington, das angeblich von Moskau 30
Minuten vor dem Start der „Oreschnik“ gewarnt worden war, dass es sich
nicht um eine nuklear bewaffnete Rakete handelte, entschied sich für
Untätigkeit.
Trotz tausender Experten, die darauf trainiert sind, auf nukleare Krisen
zu reagieren, leitete die US-Regierung keine Gegenmaßnahmen ein. Diese
Zurückhaltung könnte auf Angst vor einer weiteren Eskalation hindeuten
oder auf die Annahme, dass das Ziel lediglich ukrainisches Territorium
betreffen würde.
Die Entscheidung der USA, nicht zu reagieren, hat auch eine deutliche
Botschaft an Kiew gesandt: Russland wird nicht vor Vergeltungsmaßnahmen
gegen die Ukraine zurückschrecken, und im Falle eines nuklearen Angriffs
würde die Ukraine die Konsequenzen alleine tragen müssen. Diese Haltung
wirft auch Fragen über die kollektive Verteidigungsstrategie der NATO
auf. Sollte ein Mitglied oder ein enger Verbündeter wie die Ukraine
nicht durch direkte Unterstützung geschützt werden, könnten Zweifel an
der Einheit und Verlässlichkeit des Bündnisses entstehen.
Allerdings berichtete die New York Times (NYT) am Montag, den 25.
November, also nur wenige Tage nach dem Einsatz der „Oreschnik“, dass
einige der neokonservativen Strippenzieher im Weißen Haus nichts dazu
gelernt haben. Laut NYT hätten mehrere Regierungsbeamte sogar
vorgeschlagen, dass US-Präsident Biden angeblich überlegt habe, „der
Ukraine Atomwaffen zu überlassen. Das wäre eine sofortige und enorme
Abschreckung“ gegen weitere russische Angriffe, so die Beamten. Diese
Leute berufen sich dabei auf einen senilen Präsidenten, der alleine
nicht einmal mehr den Weg zur Toilette findet.
Die Lage in Washington ist ungeheuerlich, denn angesichts der Gefahr
eines Atomkriegs weiß niemand mehr, wer im Weißen Haus angeblich im
Namen Bidens die Entscheidungen trifft. Selbst der NYT, die sich stets
für die „Ukraine-über-alles“ eingesetzt hat, kommt das nicht geheuer
vor, denn sie schreibt: „Ein solcher Schritt (Atomwaffen an die Ukraine)
wäre kompliziert und hätte schwerwiegende Folgen.“
Der den RT-DE-Lesern bereits bekannte, ehemalige ukrainische
Verteidigungsminister und Selenskij-Berater Andriy Zagorodnyuk trommelt
derweil ebenfalls in der NYT für mehr Feuerkraft für die Ukraine, weil
die Ukraine und ihre Verbündeten erst die Dynamik an der Front umkehren
müssten, um die Voraussetzungen für Gespräche für einen erfolgreichen
Waffenstillstand zu schaffen. Zugleich forderte er vom Westen ein
ausreichendes Arsenal von Waffen mit größerer Reichweite, um sofortigen
Schaden in Russland anzurichten, falls der Kreml die Feindseligkeiten
wieder aufnimmt.
Offensichtlich haben viele Kriegstreiber immer noch nicht verstanden und
„Oreschnik“ muss noch weiter Lehren erteilen. Diese scheinen allerdings
in Teilen der angeblichen „Qualitätsmedien“ im Mainstream bereits
angekommen zu sein. Wir sehen nämlich, dass es inzwischen zunehmend
Forderungen nach diplomatischen Friedensbemühungen und Gesprächen mit
den Russen gibt, etwas, das noch vor wenigen Tagen einen Shitstorm zur
Folge gehabt hätte.
Schlussbetrachtung
Der Einsatz der „Oreschnik“-Rakete und die Einbindung der Strategischen
Raketentruppen in den Ukraine-Konflikt zeigen die Entschlossenheit
Moskaus, seine strategischen Interessen zu verteidigen, während
gleichzeitig der Versuch unternommen wird, eine nukleare Eskalation zu
vermeiden. Der 21. November 2024 wird zweifellos als Wendepunkt in die
russische Militärgeschichte eingehen. Mit dem Einsatz der RVSN in einer
aktiven Militäroperation setzte Russland einen Präzedenzfall, der die
Dynamik moderner Konflikte neu definieren könnte. Die Entscheidung,
zunächst auf konventionelle Raketen zu setzen, zeigt die Strategie des
Kremls: Stärke demonstrieren, ohne sofort die schlimmsten Konsequenzen
eines nuklearen Konflikts zu riskieren. Doch der Einsatz dieser „letzten
Warnung“ unterstreicht auch die potenziell katastrophalen Konsequenzen,
sollten diplomatische Bemühungen scheitern.
Die Zukunft des Ukraine-Konflikts bleibt ungewiss. Die
Entscheidungsträger in Kiew täten gut daran, sich das Motto der
russischen Strategischen Raketentruppen (RVSN) ins Gedächtnis zu rufen:
„Nach uns – nur noch Stille.“ Dieses Motto erinnert an die verheerende
Kraft, die diese Truppen entfesseln könnten. Durch diese Ereignisse wird
deutlich, wie zerbrechlich die globale Sicherheit geworden ist. Die
kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es möglich ist, diesen
gefährlichen Kurs zu korrigieren und eine Basis für Verhandlungen und
langfristigen Frieden zu schaffen.
Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes
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