Montag, 28. März 2016

Zwischen den Stühlen - Hanna-Gedicht

Zwischen den Stühlen

Von Hanna Fleiss



Nicht nach uns
werden die Kriege sein, bluten
die Städte, brennen die Menschen,
verröcheln die Ungeborenen
in den Leibern der Mütter.

Nicht nach uns
werden die Davongekommenen
um Wasser flehen, um Brot, um Obdach,
das bisschen, was der Mensch
zum Leben braucht.

Nicht nach uns
werden Dichter die Schmerzen
der Liebe, die Schatten der Wälder,
die Wildheit der Meere und den
Ruf des Kuckucks besingen.

Sorglos sitzen wir zwischen
den Stühlen des Gestern und des Morgen.
Unser Bleiberecht in der Welt
ist bemessen – auf eigene Rechnung
und ohne Gewähr.

25.8.15