Freitag, 11. April 2014

User-Meinung zum Buch "Cleo..."


Lieber Harry Popow,

differenzierte Betrachtungsweise ist selten dieser Tage und Jahre. Der Mainstream hat sich auf eine Meinung im Sinne seiner Geldgeber festgelegt, und da wird unerbittlich eine antikommunistische Sichtweise verlangt. Ich bin der Ansicht, dass gerade die gewesenen DDR-Deutschen den Westdeutschen eine große Erkenntnis voraus haben, nämlich die,
dass es auch ohne Unternehmer, gekaufte Edelfedern und sogenannte Eliten geht. Ich bedaure nicht einen einzigen Tag, den ich in der DDR gelebt habe. Es war eine Gesellschaftsformation des Übergangs zu einer menschlichen Zukunft, ja, man hat so manches falsch gemacht, das blieb nicht aus, aber unterm Strich war es die bessere Gesellschaft, daran lasse ich nicht rütteln. Für mich stand schon 1990 fest: Der schlechteste Sozialismus ist immer noch besser als der beste Kapitalismus. Aber wer versteht das, der die DDR nicht erlebt hat? Von Westdeutschen kann ich es nicht erwarten, und von Menschen, die die DDR nur mit Widerwillen ertragen haben, auch nicht.

Du stellst deine Personage mitten hinein in die Zeit unmittelbar nach 1990, als viele noch Illusionen hatten über den Kapitalismus, als viele noch hofften, es wird ja mal besser. Dass es nicht besser geworden ist, ja, dass wir heute mit dem Damoklesschwert eines Weltkrieges leben, wer hätte sich das vor 25 Jahren vorgestellt? Dabei hätte es jeder DDR-Bürger wissen können.

Bisher habe ich das Buch nicht gelesen, aber ich kann mir vorstellen, dass du die Welt nicht platt in Gut und Böse einteilst, dass du dir bewusst bist über die Risiken und Gefahren, die menschlichem Handeln immer anhaften. Die Story, zumindest lässt mich das vermuten.

Liebe Grüße, Hanna
(Mit Genehmigung der Leserin hier veröffentlicht)