Donnerstag, 23. August 2012

Wenn ein Brief Bände spricht...

 
23. August 2012: Nach einer Wanderung mit meiner Cleo durch „Wald und Flur“ fand ich zu Hause einen Brief folgenden Inhalts vor:

„Ich habe gerade den Hörer nach dem Gespräch mit Dir aufgelegt und möchte mein Versprechen auf der Stelle einlösen: hier also meine ersten Gedanken zu Deinem Gemälde `Mensch und Welt…`:

Hier hat ein Mensch sein überschäumendes Glück, das ihm widerfahren ist im Leben, in Farbe umgesetzt. Mein erster Eindruck: einfach phantastisch!!! Das Bild, das bist Du, mein lieber Harry, hier hast Du Deine Visionen eingebracht, Deine ganze Phantasie, Deine erlebte Liebe und auch Deine ausgeprägte Fähigkeit, liebenswürdig zu spinnen.

Ich habe jetzt das Gefühl, daß ich einen ausgesprochen schönen Tagesausklang hatte und  dafür danke ich Dir. Ich wünsche Dir und Ingi auch in Zukunft eine schöne und immer wieder anregende Zweisamkeit.

In Freundschaft S.“
(Siehe der Beitrag "Mein Gemälde Mensch und Welt" in diesem Blog.)


Hans schreibt mir per E-Mail:

 „Ich sitze beinahe seit einer Stunde vor Deinem Bild . Denke, mache Notizen , interpretiere, verwerfe Gedanken . Bin noch nicht fertig. Man kann vieles hineindenken...

Unser blauer Planet, verbunden mit der Sonne durch eine unlösbare Klammer. Die Größe der Sonne, sie könnte ihre Bedeutung für uns symbolisieren. Deutlich auf ihrer süd-westlichen Oberfläche Eruptionen. Auch im süd-westen der Erde eine sich explosionsartig ausbreitende, verschieden gerichtete Erscheinung. Wäre es Afrika und Arabien , würde ich es mit den völlig ungerichteten und verworrenen ,chaotischen Rebellionen und politischen Entwicklungen in Verbindung bringen.

Und ich sehe aber auch aus dem Osten eine auf ein Haus zugehende weibliche Lichtgestalt. Sie möchte Euch Blumen bringen. Sie will Euch ihre Freude darüber ausdrücken, dass Ihr 50 Jahre in Freud und Leid zusammengestanden habt . Sie wäre gerne bei Euch , Tamara.

Aber auch einen Galgen , unterhalb des Hauses, sehe ich . Kaum zu erkennen daran eine menschliche Gestalt . Versteckter Hinweis auf immer noch auf dieser Welt verhängte und vollzogene Vernichtung menschlichen Lebens durch Todesstrafe und Krieg ?

Lieber Harry, wenn ich mal annehme, dass es in diesem Stil ein erster Versuch und natürlich völlig anders als beispielsweise die von Dir gemalte landschaftliche Idylle auf Deinen Buch ist, na dann ist doch der Anfang im neuen Stil schon mal nicht schlecht. Wie gesagt, es kommt auf den Interpreten an. Das ist wie bei jeder Sache so. Nicht jeder liebt schwere Kost ...bissel nachdenken und künstlerische Freiheit darf schon sein; das meine ich , der unbedarfte Kunstbanause . Zufrieden ?“


Auch Erwin meint:

Das Bild fasziniert und zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters an. Zu sehen ist die Weltkugel, die mit einem Feuerball zusammenstößt. Dieser Zusammenprall ist aber nicht das Ende der Welt, sondern nur ein ernsthaftes Signal für eine Wende im Umgang mit der Natur auf der Welt. Auf der einen Seite wird auf der Erdkugel Elend und Zerstörung (umgestürzter Baum) gezeigt. Andererseits wird durch die noch frische Vegetation und Blumen der Eindruck geweckt, dass das nicht das Ende der Welt ist.

Der Gesamteindruck ist nicht negativ und traurig. Das Bild strahlt durch die leuchtenden und hellen Farben Lebensfreude, Kraft, Zuversicht und auch Hoffnung aus. Die bessere Welt wird kommen. Noch ist es nicht zu spät, die Apokalypse kann vermieden werden. Der Feuerball symbolisiert einerseits die Klimaerwärmung und andererseits das Angebot, das Energieproblem der Menschheit durch Solarenergie lösen zu können.

Je länger ich das Bild betrachte, desto mehr Ideen fallen mir dazu ein. Es ist wirklich nicht langweilig, sondern in gewissem Sinne provoziert es zum Grübeln, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung.

Leider fällt mir zur weiß gekleideten Person auf dem Bild nichts ein. Dazu brauchte ich ein paar Anstöße von Dir zu ihrer Rolle in den sonst dargestellten Turbulenzen. Wenn ich Dich nicht kennen würde, würde ich auf eine religiöse Gestalt tippen. Es könnte auch sein, dass Du einfach provozieren willst. Das wäre dann auch gelungen!

Lieber Harry, ein tolles Bild, dass zur Diskussion einlädt.

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Harry-Dank:

Hallo, herzlichen Dank für jene, die hier so tolle Ermutigungen äußerten: Bin sehr überrascht von dieser Reaktion, aber ich wollte eben mal anders rangehen beim Malen. Wer Cleo ist, wißt Ihr ja inzwischen… Die Bildgröße: 70 X 50 cm. Was man auf der Abbildung vielleicht nicht sehen kann: Mit Pastemasse aufgeklebte Gräser, ein Eichenblatt, Streichhölzer und Eierschalen, rechts in der unteren Hälfte. Ausgangsidee war die Darstellung der Frau (meine Frau) mit dem Blumenstrauß. Und die Schönheit der Erde, die Gefährdungen - und, alles hat auch mal sein Ende: Die Endlichkeit unseres Seins. Nutzen wir diese kurze Zeit immer gut und nützlich? Ich habe große Hochachtung vor Frauen. Sie geben Leben, Freude, und sie leiden, wenn Verbrechen wie Kriege sind. Sie haben am meisten zu tragen... Hut ab vor ihnen.
 

Rückblende „Goldene Hochzeit“:

23.12.2011: Zehn Leute in sehr gemütlicher Szenenatmosphäre. („Landfall“ in Friedrichshagen.) Umarmungen, fröhliches Lachen. Ich viele Zettel in der Hand mit der Bemerkung, eine längere Rede halten zu wollen angesichts des Jubiläums. Wenn ichs nicht wüßte – sehr lange Gesichter! Zettel raus. Ich: „Oh, die sind ja noch nicht beschrieben.“ Großes Aufatmen, nahezu hörbar!! Frage von mir: „Kann man auch ohne Worte viel sagen?“ Das jüngste Enkelkind: „Küssen!!“

Gesagt, Getan! Cleo lacht.

Ich: „Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten...“ Gehe zur Staffelei, enthülle das Gemälde. Oh, ah, oh!!! Cleo als erste: „Donnerwetter, das gefällt mir aber.“

Alle zehn versammeln sich vor dem Bild. Patrick, der Kameramann, filmt. Großes Nachdenken und Gratulationen. Hier und dort ein vorsichtiges Anfragen, wie denn so das Motiv zu deuten sei…???

Cleo des nachts nochmals ins Wohnzimmer an die Staffelei. „Volltreffer!!“, jubelt sie.

Ein größeres Kompliment gibt es nicht!