Freitag, 6. Januar 2012

Motiverkundung / Gedankensplitter von Harry Popow


Wer kennt sie wohl nicht, diese furchtbar entlarvend wollende Frage: „Warum hast du das getan?“ Eltern fragen so. Auch Richter, allerdings mit einem „Sie“. Die Frage aller Fragen: Warum? Motive, Beweggründe, die stehen bei jeder Tat, bei jedem Verhalten, bei jeder Erforschung des Denkens eine große Rolle. Jeder weiß das. Und doch: Wer schreibt, kommt an diesen menschlichen Erkundungen nicht vorbei. Denn was sollen lediglich äußere Vorgänge, wenn du nicht verstehst, warum einer so und nicht anders gehandelt hat. Entschuldigt, daß ich auch aus persönlicher Erfahrung als Journalist spreche. Und da ist festzustellen, das ist die schwierigste Phase bei der Charakterisierung eines Menschen: Du mußt ihn aufschließen können. Er soll aus sich herausgehen. Was geht in seinem Inneren vor? Welche Wofür und welche Dagegen spielen sich in seinem Kopf und in seinen Emotionen ab? Und um in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Gesprächspartner eindringen zu können, kanst du nicht so simpel fragen wie eingangs erwähnt. Es ist eine Kunst, tief in die Seele deines Gesprächspartners eindringen zu können.
Warum?

Lassen wir unsere Klassiker mal sprechen: So Thomas Mann in „Es geht um den Menschen, Prosa aus fünf Jahrzehnten“, Seite 286/287 (sich auf Walter Scott beziehend): „Die Kunst besteht darin, daß man mit dem möglichst geringsten Aufwand von äußerem Leben das innere in die stärkste Bewegung bringe; denn das innere ist eigentlich der Gegenstand unseres Interesses. Die Aufgabe des Romanschreibers ist nicht, große Vorfälle zu erzählen, sondern kleine interessant zu machen.“ Und Maxim Gorki: „Nichts Wichtigeres und Aufschlußreicheres gibt es im Leben als die Motive menschlicher Handlungen.“ Ihr habt mir mit dem Thema „Motive“ die Eröffnung eines Themas nahegelegt. Ich tue es hiermit und frage, wer hat bei der Motivbefragung und Motivdarstellung welche Erfahrungen gemacht? Schließlich können Beweggründe ja nicht nur in direkter Rede dargestellt werden…

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